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    < Im Wendekreis des Milans

    Zum Hüttli am Hang…

    Es ist ein Haus abseits vom Schuss. Es ist klein, bescheiden, sauber. Für NF-Mitglieder kostet die Übernachtung 16 Franken. Die Rede ist vom Naturfreundehaus Widacker im Diemtigtal. Für die Agglomeration Bern zählt das Diemtigtal zu den beliebtesten Naherholungs- und Skitourengebieten.


    Zum Hüttli am Hang…

    Es ist ein Haus abseits vom Schuss. Es ist klein, bescheiden, sauber. Für NF-Mitglieder kostet die  Übernachtung 16 Franken. Die Rede ist vom Naturfreundehaus Widacker im Diemtigtal.  Für die Agglomeration Bern zählt das Diemtigtal zu den beliebtesten Naherholungs- und Skitourengebieten.

    Nächstens werde er, so witzelt ein Berner Bergführer, auf dem Gipfel des Rauflihorns jeweils an Sonntagen einen Kiosk mit Grill und Glühwein einrichten. Damit lasse sich bestimmt mehr Kasse machen, als mit seinem Führerlohn. Nun, wie dem auch sei, aber Tatsache ist: das Rauflihorn (2323 m) ist einer der meistbesuchtesten Skitourenberge in der Region Simmental/Diemtigtal. Der Aufstieg ab Grimmialp mit seinen rund 1100 Höhenmetern ist abwechslungsreich; die Aussicht oben auf dem Gipfel ist prächtig: im Vordergrund Drümännler und Männlifluh mit anschliessender Niesenkette, im Hintergrund das Dreigestirn von Eiger, Mönch & Jungfrau und weiter gegen Westen hin das Skigebiet um Gstaad und Les Diablerets. Und, was viel zur Beliebtheit des Rauflihorns beiträgt: diese Tour zuhinterst im Diemtigtal lässt sich bei nahezu allen Verhältnissen ausführen – zumindest über die Normalroute. Und übrigens: das Postauto hält vor dem Restaurant Spillgerten auf Grimmialp (1235 m) und damit bloss ein paar Hundert Meter vor der Ausgangslage der Rauflihorn-Tour. Und als Zweites: unter der Woche ist’s oft sehr ruhig…

    Das Unübliche tun 

    Frage: was ist das Eigenartige an Skitouren-Gehern? Antwort: sie schwärmen vom Gehen, vom Gehen aus eigener Muskelkraft, vom Naturerlebnis beim Gehen. Aber sie gehen erst, wenn sie nicht mehr weiterfahren können. Aufs Diemtigtal bezogen heisst dies: wer auf den Meniggrat will, klickt sich nicht unten in Zwischenflüh in die Bindung, sondern fährt hoch zum Mäniggrund; wer auf die Galmschibe (2425 m) oder die Männlifluh (2652 m) will, beginnt die Skitour in Fildrich (und nicht auf Grimmialp) und wer das Cheibehorn (2462 m) als Gipfelziel auserwählt hat, lässt den Wagen nicht im Horboden (815 m, hier hält das Postauto) stehen, sondern fährt noch «ein bisschen» weiter, das heisst, bis Säge (1121 m). Ähnlich verhält es sich bei der Anreise in das Naturfreundehaus Widacker im Diemtigtal.

    Per Auto ist das NF-Haus ab der Bahnstation Oey (669 m, an der Bahnlinie Spiez-Zweisimmen-Saanen) über ein asphaltiertes Strässchen in ein paar Minuten zu erreichen. Es liegt isoliert am Hang, hoch über Horboden, an den Flanken der Niesenkette, umgeben von Bäumen und Weiden, um ganz genau zu sein: es liegt auf 1025 Meter über Meer, bei den Koordinaten 610.600 / 165.300.

    Früher die Regel, heute jedoch unüblich ist die Anreise ab Bahnstation Oey-Diemtigen zu Fuss. Es mag banal klingen, aber es ist gleichwohl so: beim zu Fuss gehen wird die Welt wieder gross und weit. Man sieht, was man bei bisherigen Besuchen im Tal nicht wahrgenommen hat. Dazu gehört der Brot-Egge mitten im Dorf mit den feinen Nussgipfeln und dazu gehören die gelungenen Neubauten aus Holz. Und wie wir das Dorf Oey hinter uns lassen, gehen wir entlang von Hecken, wir hören das Zwitschern der Vögel, wir schreiten durch kaum mehr begangene Hohlwege, kommen vorbei an sonnenverbrannten Heuschobern, eine offene Wiese durchschneidend steigen wir ein paar Dutzend Steinstufen hoch – und nach einer erfüllten guten Stunde treffen wir oben im Haus ein. Und – vielleicht ist uns während dieser Stunde auch dieses Mal wieder ein Hase über den Weg gehoppelt.

    Gehen oder fahren?

     

    Gewiss, wer das NF-Haus Widacker als Basislager für eine Skitouren-Woche im Diemigtal benutzt, reist dazu üblicherweise mit eigenem Auto an. Das ist bequem, und die Ausgangsorte der einzelnen Touren lassen sich damit innert kürzester Zeit erreichen. Indes eröffnet einem der Verzicht auf ein Auto gänzlich neue Möglichkeiten; weil man «gezwungen» ist, das Unübliche zu tun. Vielleicht sind dann nicht mehr der Turnen oder das Rauflihorn die Tourenziele, sondern das ungleich schwierigere, aber nahe zum Haus Widacker sich auftürmende Standhore (2339 m); oder aber man gibt sich die Freiheit, und peilt «bloss» den unteren Rand eines namenlosen Felsriegels in dieser Niesenkette an. Mit einem derart von Zielen und Effizienz «befreiten» Kopf lassen sich im Naturfreundehaus Widacker beste Stunden und Tage verbringen.


    12.01.2017 16:10 Alter: 195 Tage
    Ausgabe 4 | 2016, Unterwegs, Aktuelles