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    Mein grünes Zürich…

    Zürich – urbane Stadt mit viel Natur


    Die Natur verbunden mit der hohen Lebensqualität in Stadt und Region Zürich ist eine unserer wichtigsten Qualitäten und Standortvorteile. Nicht zuletzt darum stellt sich auch der Verein Zürich Tourismus dieses Jahr unter anderem als so genannte „Natural City“, frei übersetzt mit „natürliche Stadt“, der Weltöffentlichkeit vor. Als Vorstandspräsident dieser Nichtregierungs-Organisation und als ehemaliger Stadtpräsident von Zürich liegt mir dieses Thema sehr am Herzen und ich kann diese wunderbaren Vorteile Zürichs seit meiner Pensionierung vermehrt geniessen. Natürlich mit „Fuchur“, meinem liebenswürdigen Trüffelhund.
    Das allergrösste an Zürich finde ich, dass man praktisch von jedem Punkt in der Stadt aus in 15, 20 Minuten zu Fuss im Grünen ist. Die beiden bewaldeten Hügelzüge, die Zürich längs See und Limmat einrahmen, prägen nicht nur das Bild dieser Stadt, sie sind unsere grüne Lunge. Man findet da etwa 200 km bestens gepflegte Wanderwege mit Feuerstellen, Brunnen, Bänklis. Und wenn man noch die Fusswege und Trampelpfade dazu zählt, die nur Eingeweihte und Freaks kennen, kommt man wohl auf das Doppelte. Da ich am Fusse des Uetlibergs wohne, führt mich meine morgendliche Wanderrunde mit meinem Hund „Fuchur“ in Richtung des Zürcher Hausberges. Er erschnüffelt dort seine unendlichen Geruchswelten, ich geniesse die reiche und immer wieder überraschende Flora, im Herbst die gesuchten und manchmal unerwarteten Pilzfunde. An bestimmten Orten können wir da sogar Burgundertrüffel finden. Das ist dann Zürich Natur pur. Etwas vom Schönsten ist der lange Wanderweg von der Waldegg auf der Krete der Uetlibergkette, hoch über dem Zürichsee bis nach Sihlbrugg.
    Aber natürlich gibt es noch viel urbanere Orte, die wir oft besuchen. Auch dort findet man Natur, aber es ist eine domestizierte, von Menschhand gepflegte. Dazu gehört für mich in erster Linie der Lindenhof inmitten der Altstadt, den nicht erst die Römer besiedelten, sondern wo man auch Siedlungsreste von Kelten gefunden hat. Hier geniesse ich die Aussicht auf die Altstadt, das Rathaus und Grossmünster. Ein bezauberndes kleines Naturspektakel mitten in der Grosstadt. Während meiner Amtszeit blieb mir jeweils nur wenig Zeit, solche Momente gebührend zu geniessen. Der Lindenhof ist bis heute jedoch mehr als nur Aussichtspunkt. Er erzählt Geschichte. So diente dieser Platz, wo früher ein römisches Kastell thronte, den Zürchern bis in die frühe Neuzeit zu Versammlungen. 1798 wurde auf dem Lindenhof auf die helvetische Verfassung geschworen. Heute trifft man hier fast zu jeder Tageszeit Touristen aus dem In- und Ausland. Erinnerungen werden geknipst und Informationen zur Limmatstadt von unseren Reiseleitern in allen Sprachen zum Besten gegeben. Ich selber mag Schach. Nicht selten beobachte ich die teils cleveren Züge der Hobbyspieler. Die Figuren ziehen sie besonnen über die weiss-schwarzen Steinplatten – das Pferd von G1 auf F3.  
    Vom Pferd zur Katz
    Das Bollwerk „zur Katz“ am Schanzengraben diente früher, wie andere derartige künstlich erbaute Hügel auch, der Verteidigung Zürichs. Hier stand bis zirka Mitte 1970 der Botanische Garten der Universität. Suche ich heute ganz persönliche stille Momente, finde ich diese inmitten unzähliger Blüten und prachtvoller Pflanzen auch im neuen Botanischen Garten, heute am Fusse des Zürichbergs gelegen. Insbesondere an kälteren Tagen gönne ich mir nicht selten einen Ausflug in die warmen Treibhäuser dieser grünen Oase. Höhepunkt sind für mich die Heilpflanzen in der Anlage. Dieser mittelalterliche Kräutergarten zu Ehren des Zürcher Naturforschers und Stadtarztes Conrad Gessner mit über 50 altbekannten Heilpflanzen vermittelt Besuchern das Wissen der Naturheilkunde des 16. Jahrhunderts.
    Grün und Grau
    Zugegeben: Ein bisschen Wehmut an die gute alte Sechseläutenwiese kann ich nicht leugnen. Zu viele Erinnerungen haften an diesem einst grünen Rund. Wo ich früher in meinem Amt als Stadtpräsident bei Zünften, Fernseh- und Radiostationen zu Gast war, geniesse ich heute an freien Nachmittagen von Zeit zu Zeit ein paar wärmende Sonnenstrahlen. Abschalten und eine Latte macchiato geniessen. Schon bald wird man sich hier auf dem mit rund 16‘000 Quadratmeter grössten innerstädtischen Platz der Schweiz fühlen wie im Süden. Die Zürichsee-Promenade nur wenige Schritte entfernt, das Opernhaus direkt vor einem und das Bellevue als eines der lebendigsten städtischen Zentren der Stadt Zürich im Rücken. Was will man mehr, als sich hier in Zürich niederzulassen! Es beweist immer wieder aufs Neue, dass Grün neben Grau durchaus Platz finden kann. Und genau diese Kombination von Natur und Urbanität macht Zürich zu dem, was ich an dieser Stadt so enorm schätze.

    Elmar Ledergerber, gebürtiger Engelberger, wirkte zwischen 2002 und 2009 als Stadtpräsident von Zürich. Zuvor engagierte er sich während acht Jahren im Zürcher Kantonsrat und von 1987 bis 1998 im Nationalrat. Seit 2009 steht er dem Verein Zürich Tourismus als Präsident vor. Elmar Ledergerber wohnt seit bald 30 Jahren in Zürich.


    23.03.2013 13:59 Alter: 5 Jahre
    Ausgabe 1 | 2013, Gesund Leben
    Von: Elmar Ledergerber