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    Oswald Schaub

    Welcher Ski soll’s denn sein? Neue Ausrüstung: Tipps von Fachmann


    Welcher Ski eignet sich für mich? Wie lang, und breit und tailliert soll er sein? Und was kostet ein guter Ski? Worauf muss ich beim Kauf neuer Skier besonders achten? Hier die Antworten vom Fachmann, von Oswald Schaub. Er ist selbst leidenschaftlicher Skiläufer. 

    Nehmen wir an: ein etwa 55 jähriger Mann, um die 80 kg schwer, der vor 20 Jahren das letzte Mal auf den Ski gestanden ist, möchte es diesen Winter nochmals wissen. Welchen Ski würdest du ihm empfehlen?

    Vorab müsste ich wissen, wie gut er zuvor auf seinen Ski unterwegs gewesen ist. Sagt er mir «gut bis recht gut», möchte ich wissen: schwingt er lieber weite oder lieber engere Bögen? Zeigt sich, dass der Interessent eher flink, also in engeren Bögen unterwegs ist, empfehle ich ihm einen gut taillierten, leicht drehenden Riesenslalom-Ski, 160-165 cm lang mit einem 13er- bis 14er-Meter-Radius. Dann käme der zweite, wichtige Aspekt: hat der Interessent die richtigen Schuhe!? ­Denn: in schlechten Schuhen nützt dir auch der beste Ski nichts.

    Und was also ist ein guter Ski-Schuh?

    Das ist für mich weniger eine Frage der Marke. Und ob 350 oder 550 Franken – das ist ebenfalls nicht die Hauptsache. Das Zentrale ist: der Schuh muss gut sitzen! Nicht zu gross, nicht zu klein – er muss an den Fuss passen. Wer im Schuh schwimmt, hat den falschen. Und der Schuh soll nicht zu hart sein: ich würde einen 80er bis 90er Flex empfehlen, sicher nicht über 100! Was über 100 ist, gehört in die Renngruppe – für einen Wiedereinsteiger also definitiv nicht das richtige. 

    Und wie finde ich diesen für meinen Fuss genau passenden Schuh?

    Ich sage meinen Kunden stets: kauft keinen Ski-Schuh, bevor ihr damit nicht gefahren seid! Du kannst zwei Stunden im Laden in einem Ski-Schuh gestanden sein und dich darin wohl gefühlt haben – auf der Piste dann aber kommt dann dennoch das böse Erwachen. Darum: erst mieten, dann kaufen! Wobei: ich rate davon ab, Mietschuhe zu kaufen, die mehrmals schon ausgemietet worden sind. Genauso wie ich davon abrate, Mietskier zu kaufen; der Laie sieht’s dem Ski ja nicht an, wie oft dieser bereits geschliffen worden ist. 

    Und wie ist’s, wenn unser Wiedereinsteiger eine Frau ist?

    Frauen, die sich mit 50 oder 60 nochmals ein paar Ski zulegen wollen, rate ich, ganz besonders auf die Skilänge zu achten. Ich würde nicht über 155 cm gehen – ausser die Frau ist ausserordentlich gross gewachsen. Es soll ein drehfreudiger Ski sein, vielleicht ein 11er oder 12er – aber er muss halten, der Ski muss greifen. Und wie gesagt, die Marke spielt dabei nicht unbedingt die zentrale Rolle.

    Was kostet heute so eine Ski-Alpin-Ausrüstung? 

    Kommt drauf an, welche Qualität jemand will! Einen guten Ski gibt’s heute so um die 700, 900 Franken, die Schuhe so um die 400, und für einen Helm ist mit etwa 100, 150 Franken zu rechnen – womit gesagt ist: ich empfehle, mit Helm zu fahren. Apropos Ski: Wer für 300 Franken einen Ski kauft, hat auch einen Ski, aber das wird ein Kunststoffski sein! Also einer ohne Holzkern! Und klar, dieser Qualitätsunterschied ist spürbar, auch für den Laien. Kommt hinzu, dass ein guter Ski, also einer mit einem Holzkern, auch länger hinhält; ich würde mal sagen: acht, neun Jahre lang. Übrigens: die allermeisten dieser Holzkerne stammen aus der Schweiz, von der Firma Hess in Döttingen; Hess ist diesbezüglich internationaler Marktleader.

    Apropos Marken, du verkaufst Ski von Head. Würdest du im Blindtest «deine» Marke von einer anderen unterscheiden können?

    Schwierige Frage! Was ich sicher ganz klar spüre sind die Unterschiede, die sich aus Nachfolge-Typen innerhalb einer Marke ­ergeben. Fahre ich beispielsweise einen Winter lang mit dem Typ XY der Marke XYZ und wechsle dann auf das Nachfolge-Produkt aus eben jener Reihe, erkenne ich dies – mit höchster Wahrscheinlichkeit – auch im Blindtest. Was ich bezüglich Marken sagen kann: ich persönlich fahre auf einem Head oder Nordica leichter als auf einem Atomic oder Rossignol – weil letztere etwas härter aufgebaut sind. Aber mir ist klar: schwört jemand auf «seine» Marke, so ist er oder sie von dort kaum runter zu bekommen – und damit hab‘ ich auch kein Problem.

    Wohin eigentlich geht der kluge Schweizer mit seinen alten, nicht mehr benötigten Skiern?

    Was mir meine Kunden jeweils an noch gut erhaltenen Skiern zutragen, kann ich z.T. einem Kollegen weitergeben, der diese nach Osteuropa bringt. Ein grösserer Teil aber gehört in die Kehrichtverbrennung. Und wie bei so ­vielem: wer im Internet sucht, wird auch in Sachen Ski-Weiterverwendung noch einige weitere Möglichkeiten finden.   

    Ski-Verkauf und Ski-Service
    «Osis Schichäller», so nennt Oswald Schaub sein Ski-Verkaufs- und Service-Geschäft, das er, mit Unterstützung seiner Frau Verena, seit 1998 in Neuenhof AG jeweils von Oktober bis Ostern offen hält. Beide sind sie langjährige Mitglieder der Naturfreunde Schweiz, Verena seit einigen Jahren übrigens als Präsidentin der Naturfreunde-Sektion Neuenhof. Oswald Schaub hat seine Berufskarriere seinerzeit mit einer vier­jährigen Maschinenschlosser-Lehre bei der damaligen BBC in Baden lanciert, danach folgten 15 Jahre als Monteur und Mechaniker beim Gabelstapler-Unternehmen Still; danach führte der begeisterte Skifahrer über 12 Jahre lang das Walserwasser-Depot in Wettingen.


    07.01.2014 11:07 Alter: 4 Jahre
    Ausgabe 4 | 2013, Naturfreunde aktiv
    Von: Herbert Gruber