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    Einsichten an der Albula

    Anseina - ein Wasserweg setzt Zeichen Einsichten an der Albula


    „Das Unsichtbare sichtbar machen“, dies ist ein Anliegen des Wasserwegs bei Alvaneu Bad GR – für Wandernde ein bereicherndes Erlebnis. Und zudem: für die Einheimischen soll der Weg zum Symbol für die Ver-bundenheit mit ihrer Talschaft werden.

    Zwei blaue Dreiecke auf silbernem Grund, das eine mit einem silbrigen Kreis ver-sehen, daneben das Wort „wasserweg“, ebenfalls in Blau. Ich bin am linken Ufer der Albula aufwärts unterwegs und schenke dem Zeichen kaum Beachtung. Eben grüsst nämlich der Viadukt über das Landwasser aus der Ferne. Meine Aufmerk-samkeit wird ganz dorthin gelenkt. Ich überquere den Fluss und stehe vor einem Steinkreis. Mittendrin liegt verkohltes Holz bei einer Feuerstelle. Ein guter Platz für eine Rast. Nach einem Schluck aus der Flasche sehe ich mich um. Eine Tafel mit Text steht in der Nähe. Neugierig trete ich hinzu und lese, aus vorhandenen Steinen werde hier das Unsichtbare sichtbar gemacht. Schöne Worte, denke ich. Automatisch beginnt mein Blick, den Ort zu umkreisen. Und siehe da, schon zeigt sich, woran ich achtlos vorbei marschiert bin. Eines dieser blauen Schilder steht auch hier wenige Meter entfernt am Weg. Was aber signalisiert es denn?

    Wasser als Lebensweg

    Eine Wegskizze „Wasserweg Albula“ schafft Klarheit. Sie ist mit ansaina über-schrieben. Ein Wort, das für mich fremd und gleichzeitig ansprechend klingt. Es ist romanisch bedeutet so viel wie ein Zeichen setzen. Meine Annahme, beim Wasserweg handle es sich um einen Wanderweg entlang der Albula erweist sich als falsch. Hier besteht neben dem Fluss, dem natürlichen Wasserweg, also ein zweiter. Das lohnt eine Erkundung, sage ich mir. Mein Vorhaben, die Albula heu-te bis zu den Quellen abzuwandern, verschiebe ich auf ein anderes Mal. Da ich von dort komme, wo die Pfeile hinzeigen, gehe ich gegen die angezeigte Rich-tung weiter und verlasse den Fluss. Wenig später erreiche ich das Ufer der Land-wasser. Sie führt mehr Wasser als die Albula, in die sie etwas weiter unten ein-mündet. Ihr folge ich aufwärts. Der Viadukt, über den die Rhätische Bahn fährt, ist nun nicht mehr fern. Um zu ihm zu gelangen, verlasse ich die Schleife des Wasserwegs für eine Weile. Es schwindelt mir unter der Brücke beim Blick in die Höhe. Der Eindruck, den ich von diesem spektakulären Bauwerk mitnehme, lässt in der Folge den „Wasserweg“ unbedeutend erscheinen. An einem Kleinkraftwerk halte ich das nächste Mal an. In seinem Inneren rotieren Turbinen. Eben rattert ein Güterzug über den Schmittener Tobel talaufwärts. Wieder lenkt ein Viadukt vom Wasser ab. Was hat es nur mit diesem Wasserweg auf sich, wenn er die Bahn zum Spektakel macht und dem Wasser die Nebenrolle zu bleiben scheint?

    Suchend gehe ich weiter, um das Unerwartete zu entdecken. Nachdem ich einen Teich mit Schwärmen von Forellen passiert habe, komme ich zu einem Holzsteg. Dort begegnet mir eine Schwefelquelle. Vor ihr wandelt sich meine Stimmung. Nicht etwa, weil mich der üble Geruch des Schwefels verstimmen würde. Es ist dieser unscheinbare Austritt des Wassers aus dem Berginneren ans Licht der Welt. Das Ereignis der Quelle wird zum Erlebnis. Bei der nächsten Station des Wasserwegs treffe ich auf eine weitere Quelle. Noch unauffälliger, nach geheim-nisvoller. Hier weiss ich, worin der Reiz dieses Weges liegt. Er lässt mich Quellen entdecken, die ich ohne ihn kaum finden hätte können. Seine Sache ist, es anzu-regen. Anzuregen, die unauffälligen Dinge aufzuspüren, die mir die Natur bereit-hält.

    Energie, Batterie, Anfang Jede Station des Wasserwegs hat ihren eigenen Charakter. Und ebenso ihren ei-genen Text auf einer Tafel. Zuletzt stehe ich vor der „Batterie“. Einem Kraftort, wie es heisst. Hier im Badezentrum beginnt die Beschilderung des Weges. Noch kenne ich nicht alle seine Stationen. Was ich gesehen habe, aber hat mich berei-chert. Und es drängt sich mir die Frage auf nach den geistigen Quellen, nach den Ideen, die dieses Projekt Wasserweg Albula speisen.

    Es sei nicht darum gegangen, einen Lehrpfad mit Schaubildern und Infotafeln zu gestalten, hält Adolf Brenn, Mitglied des Vereins Wasserweg Albula, fest. Viel-mehr sollten die Posten entlang des Weges eine Kette symbolisieren, die für Ver-bundenheit der Menschen innerhalb des Tales steht. Eine Schwefelquelle machte Alvaneu zum Badeort. Und das vermutlich schon zur Zeit der Römer. 1866 ent-stand hier ein Kurhaus. Nach seiner Schliessung scheiterten lange Zeit alle Ver-suche, es wieder zu beleben. Erst anfangs unseres Jahrhunderts trat an seine Stelle ein modernes, kleines Wellnessbad. Mit dem Geruch des Schwefels beim ehemaligen Kurhaus hat sich für die Bewohner von Alvaneu einst ein Gefühl von Heimat verbunden. Sie wissen auch von einer schwefelhaltigen Quelle auf der anderen Talseite zu berichten, die beim Bau eines Stollens für das Kraftwerk in Tiefencastel versiegt sei. Als sie neu gefasst wurde, sei ihr Wasser nicht mehr weiss, sondern rot gefärbt gewesen. Nachforschungen ergaben, dass diese Fär-bung von der Armierung des Stollens verursacht wird. So sprudeln nun die Quel-len am Wasserweg in unterschiedlicher Färbung. Für mich passt dies zur Symbo-lik des Weges. Kontraste gehören zur Einheit. Für kommendes Jahr wird vom Verein die Ausstellung „Gemeinsam am Wasser ScuntrAVA“ geplant. Vereine, Schulen, Privaten sollen die Möglichkeit haben, entlang des Wasserwegs Posten einzurichten, die der Begegnung dienen. Mir wird klar, worauf hier an der Station mit dem Namen Batterie angespielt wird.

    Mit geschärftem Blick für die Quellen im Tal wandere ich den Wasserweg Albula zu einem späteren Zeitpunkt in seiner ganzen Länge ab. Der Abstecher zur ge-waltigen Arena des Schaftobelfalles ist einmal mehr auf Grossartiges gerichtet. Dann aber beim Posten „Eisenquelle“, den ich noch nicht kannte, lausche ich wieder dem Geheimnisvollen und lese: „Hier spielten die Kinder und tranken das Wasser, um stark zu werden. Manche haben sich Schürfungen mit dem Wasser geheilt. Diese Quelle, gilt es zu entdecken. Schaffen Sie sich für eine Weile einen Ort der Stille. Und trinken Sie ruhig einen Schluck aus dieser Quelle. Sie soll stark machen.“

    Gerne folge ich dem Rat. Der Geschmack des Eisens bleibt haften. Ebenso aber auch der Gedanke, dass Wasser mehr ist als ein unentbehrliches Lebensmittel. Nicht nur für das Tal der äusseren Albula, auch für jede andere Gemeinschaft ist es eine universelle Lebensader.

    Den Wasserweg ansaina erkunden
    Aktivität und Ruhe, erkunden und schauen: der Wasserweg ansaina lässt uns Quellen entdecken, auch geistige.
    Start und Ziel: Alvaneu Bad GR.
    Anreise: per RhB bis Bahnstation Filisur, dann Postauto nach Alvaneu Bad. Route: Alvaneu Bad (957 m) – Bahnhof Alvaneu – Schmittnertobel Viadukt (1020 m) – Abstecher zum Landwasser Viadukt – Zinols – Abstecher zum Rö-zenwald – Alvaneu Bad – Abstecher zum Schaftobelfall.
    Länge: ca. 2.5 km. Beschilderung: Blaue Wasserweg-Tafeln und Infotafeln zu den Posten: Batterie, Kleine Quelle, Steg, Schwefelquelle, Kleinkraftwerk, Viadukt, Steinkreis, Eisen-quelle, Flachswaschteiche, Schaftobelbach, Quelle Arvadi.
    Baden: im 2001 neu eröffneten Thermalbad (Wasser bei 34°) Alvaneu Bad, täglich von 10-19 Uhr.
    Tipp: Infos für Schulklassen unter: www.parc-ela.ch/schulklassen.


    22.07.2014 11:08 Alter: 3 Jahre
    Natur erleben
    Von: Klaus Sorgo