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    Max Chopard-Acklin

    Naturfreund und Ex-Nationalrat Max Chopard-Acklin ist überzeugt, dass wir – 80 Jahre nach der Schiene – auch die Strasse elektrifizieren sollten. Nicht nur mit Trams und Trolleybussen, sondern auch im Individualverkehr.


    Vorbei sind die Zeiten rauchender und russender Dampfloks, die mit Kohle gefüttert werden mussten. Schienenfahrzeuge in der Schweiz sind – abgesehen von einige Nostalgiestrecken und Rangierdieselfahrzeugen – weitgehend elektrifiziert. Die SBB fährt bereits zu 90% mit Wasserkraft, und sie will bis 2025 einen Bahnstrommix aus 100% erneuerbarer Energie erreichen.

    Ich glaube, 80 Jahre nach der Schiene, sollten wir auch die Strasse elektrifizieren. Nicht nur mit Trams und Trolleybussen, wie wir es schon kennen, sondern auch im Individualverkehr. Elektromobilität lärmt weniger, stinkt nicht und schont bei Verwendung sauberer Energie zusätzlich die Umwelt. Schauen wir die Fakten an: Rund 35% des Energieverbrauchs der Schweiz entfallen auf die Mobilität. Der Mobilitätsbereich auf der Strasse ist aktuell zu über 95% von fossilen Energieträgern abhängig. Die Elektromobilität bietet somit eine echte Chance, einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Mobilität zu leisten. Denn Elektroantriebe sind effizient und der Einsatz von Strom erlaubt die Nutzung erneuerbarer Energien. Die Technik dazu ist vorhanden, doch wie sieht es bei der Akzeptanz aus? 

    Die Marktentwicklung der Elektrofahrzeuge unterscheidet sich in der Schweiz stark nach Fahrzeugkategorien. E-Bikes haben den Marktdurchbruch geschafft. Heute beträgt ihr Anteil ca.15%, und ein Bericht des Bundesamtes für Energie BFE belegt: rund 45% der mit E-Bikes zurückgelegten Kilometer ersetzen Strecken, die sonst mit dem motorisierten Individualverkehr zurückgelegt würden. Der Marktanteil von Elektropersonenwagen betrug 2014 jedoch nur 0.89%. 

    Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass die Vorurteile gegenüber der Elektroautos noch gross sind. In unserem Haushalt sind wir vor einem Jahr von einem Verbrennungsmotor auf ein Elektroauto umgestiegen. Unsere Solaranlage auf dem Garagendach liefert den Strom und in der Garage haben wir die Ladestation dazu. Das ist praktisch. Heutige Elektroautos unterscheiden sich in Sachen Platz, Komfort und Optik übrigens kaum mehr von anderen Autos, ausser dass sie keinen Auspuff mehr haben. Das abgaslose Fahrgefühl ohne Vibrationen und Motorenlärm ist besser. Die mir meistgestellte Fragen lautet: „Wie weit kommst du damit?“ Im Falle unseres Autos sind es 140-160 km (je nach Jahreszeit und Topografie). Das reicht völlig. Denn für den Fern- und Städteverkehr nutzen wir – wie schon vorher – den ÖV. Elektrifizieren wir nach der Bahn auch die Strasse: natürlich mit erneuerbarer Energie!

     

    Max Chopard-Acklin, 
    gelernter Maschinenschlosser, engagiert sich als SP-Politiker und Gewerkschafter und war von 2009 bis 2015 im Nationalrat. Zuvor wirkte er 12 Jahre im Grossen Rat des Kantons Aargau. In seiner „Naturfreund“-Kolumne Standpunkt äussert Max Chopard-Acklin (Mitglied der Naturfreunde-Sektion Lenzburg) seine persönliche politische Meinung.


    03.11.2015 11:33 Alter: 2 Jahre
    Naturfreunde aktiv
    Von: Max Chopard-Acklin