Das Neuste auf Instagram
Inserate
    < Skitour auf Transitachse

    Weitwandern auf dem Königspfad

    Der Kungsleden (schwedisch für Königspfad) ist kein simpler Wanderweg. Es ist eine Route durch die gewaltige Landschaft Lapplands, ein Abenteuer der besonderen Art. Fernwanderer Guido Rutz (Sektion Gossau SG) fühlte sich letzten Sommer der Aufgabe gewachsen und begab sich in die historische schwedische Provinz. In seinem Tagebuch berichtet er von seinen Erlebnissen.


    Dienstag, 4. August 2015: Nun geht`s los!

    Bereits liege ich auf dem Bett im Zug nach Hamburg und schreibe den ersten Eintrag ins Tagebuch.

    Nach monatelangem Erkunden, Informieren und Fragen habe ich bereits gestern meinen Rucksack gepackt – 23 kg und dazu kommen noch Tee und Wanderschuhe. Heute Morgen noch der letzte Einkauf – auch die Faserpelzjacke soll wasserdicht verpackt sein. Claudine und ich haben noch ein gutes Mittagessen auf dem Eischen bei Appenzell genossen und jetzt ist Warten bis zur Zugsabfahrt um 19.19 Uhr angesagt.

    Im Zug nach Zürich flitzen wir durch Dörfer und Städte, überall Häuser, Strassen und Fabriken. Auf meiner Wanderung werde ich auf dieser Strecke nur Natur sehen – wie wird das nur sein auf der langen Strecke?

    In Zürich schultere ich meinen Rucksack, stosse mal links, mal rechts, mal oben an bis er richtig sitzt. Ich finde den Zug, den Wagen und meinen Schlafplatz schnell – im 3. Stock ganz oben. Noch ein kurzes Warten und der Zug beginnt sich zu bewegen. Im dunklen Liegewagen, ohne Sicht nach draussen, geht die Fahrt los. Unter mir hat sich noch ein Deutscher eingerichtet. Nach der Abfahrt in Basel lege ich mich aufs Bett und höre das Fahrgeräusch des Zuges und das Rauschen der Klimaanlage. Doch irgendwann schlafe ich ein.

     

     

    Mittwoch, 5. August 2015: Der ganze Tag im Zug

    Kurz vor Hannover stehe ich auf um das WC aufzusuchen. Mein deutscher „Zimmerkollege“ ist bereits am Frühstück, da Hannover seine Endstation ist. Nach seiner Abreise richtet mir der Schaffner Sitze und Tisch ein, sodass ich beim Frühstück und der weiteren Fahrt gemütlich sitzen kann. Das Wetter zeigt sich von der schönsten Seite und ich lese in meinem Reisebuch „Wandern ist doof“ weiter.

    In Hamburg habe ich genügend Zeit zum Umsteigen und ich finde den Zug nach Kopenhagen schnell. Beim Einsteigen und Verstauen des Gepäckes herrscht ein grosses Durcheinander. Mein persönlicher Platz ist eingeklemmt zwischen der fensterlosen Zugswand, dem vorderen Sitz und einer Deutschen., die auch nach Schweden, bis Galliväre, reist. Sie kennt auch den Kungsleden, den sie als ausgetreten bezeichnet. Bald widmet sie sich ihrem Kriminalroman. Während der Fährenüberfahrt müssen alle Zugspassagiere aussteigen und können die Ueberfahrt auf dem sonnigen Deck geniessen. Rechtzeitig erreichen wir Kopenhagen und hier bleiben mir 2 Stunden zum Umsteigen in den Zug nach Stockholm. Dieser Zug ist nicht voll besetzt und so suche ich mir einen schönen Fensterplatz, den ich aber im Laufe der Fahrt wieder abgeben muss. Die Fahrt geht zügig, wir flitzen durch die Landschaft mit Wäldern, Seen und Getreidefeldern und immer wieder typische schwedische Häuser in den Farben rot und weiss. Der Himmel bedeckt sich nun und auch die ersten Birkenwälder tauchen auf. Die Abendsonne dringt wieder durch die Wolken und gibt eine schöne Abendstimmung. Bis Stockholm hellt es wieder auf – in den Bodensenkungen hat es nun schleierhaften Bodennebel. Noch ist es 19° Grad warm beim Umsteigen in Stockholm. Hoffentlich warte ich auf den richtigen Perron, ist doch nur ein Zug mit meiner Abfahrtszeit angegeben! Mit einer Stunde Verspätung geht die Reise um 23.45 Uhr weiter. Das unterste Bett ist für mich reserviert, oben schlafen schon ein Vater mit Sohn aus Schweden. Schnell gehe ich unter die Decke- der Zug wackelt und die Klimaanlage rauscht – doch bald finde ich den Schlaf.

     

     

    Donnerstag, 6. August 2015: In Abisko angekommen

    Ich höre die ganze Nacht nichts von meinen Zimmerkollegen. Um 6.30 Uhr mache ich einen WC-Besuch, dann liege ich mich nochmals hin. Der Zug fährt mal langsam, mal schnell und dazwischen muss er wieder einen Gegenzug abwarten. Zum Frühstück habe ich im Bistrowagen einen Kaffe, dazu ein „heimatliches“ Appenzeller Biberli. Ich stehe nun am Fenster und betrachte den vorbeifliegenden Wald, der das eine Mal ganz dicht, dann aber auch wieder kahl und locker ist. Durch so eine Gegend soll ich den Weg finden? Für Wildtiere wie Bären usw. muss dies ein Paradies sein. Mit einer halben Stunde Verspätung erreichen wir Boden. Doch unser weiterer Zug wartet auf uns. Nun habe ich einen schönen Fensterplatz und fahre vorwärts. Das Wetter wird, je nördlicher wir kommen, immer düsterer und einzelne Regentropfen treffen die Fensterscheiben. Zeitweise sind die Strassen nass. In Kiruna steigen die meisten mit grossen Rucksäcken aus, an den Fjällraven-classic.  Diese Wanderer werde ich auf meinem Weg wieder treffen, sie werden mir entgegen kommen.

    Ich schaue im Wagengang nach vorne und sehe, dass vor meinem Wagen nichts mehr ist. Fährt der Zug nicht mehr weiter? Keine Durchsage im Lautspreche liefert eine Erklärung. Wenige Leute sitzen aber ganz ruhig im Wagen – also wird es schon weitergehen! Bald setzt sich der Zug rückwärts wieder in Bewegung. Ein Mann lädt mich ein, mich zu ihm zu setzen. Er ist Luxenburger und wohnt jetzt in Norwegen. Er kenne die Schweiz von vielen Ferienreisen. Nach seiner Information soll das Wetter  in nächster Zeit besser werden. Pünktlich kommen wir in Abisko Turiststation an, wo ich ein Bett mit Abend- und Morgenessen reserviert habe. Die Dusche erfrischt herrlich und nach einem Rundgang und dem Einkaufen von Mückenspray ist bereits um 18.00 Uhr Abendessen.

    Noch ein kleiner Spaziergang und ich gehe ins Zimmer um den Rucksack für den Start einzurichten. Ein Schwede mit seiner Frau ist noch in meinem Zimmer zugeteilt. Sie sind von Nikkaluokta nach Abisko gewandert und reisen morgen heim. Nach dem Tagebucheintrag und Kartenstudium krieche ich um 21.00 Uhr bereits ins Bett.

     

     

    Freitag, 7. August 2015, 1. Etappe: Los geht's!

    Abisko – Abiskojaure

    Länge:                    13.8 km

    Aufstieg:                 199 Hm

    Abstieg:                   68 Hm

    Ausgangspunkt:      380 müM

    Etappenziel:            520 müM

     

    Um 7.00 Uhr weckt mich das Handy. Von meinen Mitbewohnern habe ich die ganze Nacht nichts gehört, also gut geschlafen. Nur sehr warm war es im Zimmer. Ich trete vor das Haus und werde von Nieselregen überrascht. Alle Berge sind verhangen und der Torneträsk im Bodennebel verschwunden. Zurück im Zimmer räume ich auf und gehe dann zum Frühstück. Es gibt ein ausgiebiges Buffet mit allen möglichen Kostbarkeiten. Viele Touristen haben es sehr eilig, ich habe nur eine kleine Etappe vor mir und so ziehe ich erst um 8.45 Uhr los. Die Waage zeigt 23 kg für meinen Rucksack. Es ist trocken, aber immer noch wolkenverhangen. Nach dem Ueberqueren der Hauptstrasse folgt das „Eingangtor“ zum Kungsleden und nun bin ich vor der Wildnis. Ein breiter Weg durch den Birkenwald, bald die ersten Bretter auf dem Weg geht es in die Einsamkeit. Am Himmel zeigen sich erste blaue Flecken, ein Wanderer kommt mir entgegen und auf einer Seilbrücke überquere ich den ersten Flusslauf. Das Rauschen des Abiskojäkka gibt mir Begleitmusik. Langsam komme ich etwas höher und vor mir öffnet sich der Weitblick immer mehr. Nun geht es dem Abiskojavri entlang, der still im Tal liegt, umsäumt von grünen Wäldern. Auf einer Waldlichtung, entdecke ich auf der andern Seeseite ein Haus mit Fahne, das muss ein Etappenziel sein. Mit einer Seilbrücke überquere ich den Fluss und erreiche meine erste Unterkunft – Abiskojaurestugorna, eine kleine Siedlung mit etwa 6 Gebäuden. Der Hüttenwart (Stugvard) begrüsst mich freundlich und schon bald habe ich mein Nachtlager. Zuerst mache ich eine Flasche Tee, dann gibt es Mittagessen. Den Nachmittag habe ich frei und bummle bei schönstem Sonnenschein um den Lagerort. Am See finde ich einen kleinen Sandstrand und so geniesse ich kurze Zeit das kühle Wasser zum Baden. Auf der sonnigen Bank vor der Hütte beobachte ich das  Treiben, das gegen Abend stetig zunimmt. Auch die Mücken werden aktiver und so bin ich mit deren Abwehr beschäftigt. Um 18.30 Uhr ist die Sauna für die Männer reserviert und nach deren Benützung folgt die Abkühlung im See. Gleichzeitig kann ich auch noch die Wäsche machen. Das Abendessen, Reis in Boullion gekocht, schmeckt und dazu Tee, zum Dessert vier Willisauer Ringli. Auch ein Schweizer Paar ist anwesend, das die gleiche Strecke machen will.

    Ein schöner erster Tag geht zu Ende.

     

    Samstag, 8. August 2015, 2. Etappe: Die erste lange Etappe

    Abiskojaure - Alesjaure

    Länge:                    20.4 km

    Aufstieg:                 438 Hm

    Abstieg:                   176 Hm

    Ausgangspunkt:      520 müM

    Etappenziel:            780 müM

     

    Gemäss Beschreibung ist die Etappe von Abiskojaurestugorna nach Alesjaurestugorna 22 km lang, anstrengend und dauert 8 – 10 Stunden. Dies gibt also die Bewährungsprobe.

    Im Essraum Stimmen – im Schlafraum ganz dunkel und still – was ist los, wie spät ist es? Ich suche meine Taschenuhr, hebe den Vorhang leicht an und schaue auf die Uhr – 7.30 Uhr. Schon so spät! Schnell stehe ich auf, ziehe mich im Dunkeln an, nehme den Esssack und gehe nach draussen. Auf dem Weg zum WC spüre ich Nieselregen – wie gestern! Ich  koche mir Haferflockenbrei, dazu schwarzer Kaffe und Knäckebrot, das ist der Treibstoff für die heutige Tour. Um 8.45 Uhr bin ich startklar: Rucksack in Regenhülle, kurze Hose mit Regenschutzhose, T-Shirt und Hut. Zurzeit ist es von oben trocken, aber von den Büschen werden vor allem die Beine nass. Die Berge sind wolkenverhangen und ein leichter Wind weht. Eigentlich ideales Wetter zum Laufen, aber Fotos gibt es heute keine Strahlende. Nach einem flachen Stück steigt der Weg bald an und ich hole die drei Frauen ein, die vor mir gestartet sind. Über eine Seilbrücke und dann kommen die 300 Höhenmeter. Nun sieht man in der Ferne einen kleinen Flecken der Seenplatte. Bevor die Seenplatte ganz erscheint, muss aber noch ein langes flaches Stück zurück gelegt werden. Rechts des Weges hat es Gebäude, eine Samensiedlung, die aber verlassen scheint. Nach drei Stunden mache ich Mittagspause, erhöht auf einem Stein mit schönem Ausblick. Es ist ein Glück, dass man an einem solchen Punkt rasten kann – gesund und ohne Schmerzen (der Rucksack liegt ja auf dem Boden!). Nun folgt der Weg den Seen entlang und schon bald zeigt sich am Ende des Alisjavri mein heutiger Etappenort – Alesjaurestugrona. Nach folgen lange Kilometer in leichtem Auf und Ab. Am Weg entdecke ich nebst Erika auch noch Dotter- und Trollblumen. Gerade schlüpft auch eine Maus, nein ein Lemming durch’s Gebüsch unter die Laufbretter. Zur Krönung dieser Tour kommt noch ein Fluss ohne Brücke – also Schuhe ab und durch den Bach. Ich binde die Schuhe zusammen, hänge sie um den Hals und mache den ersten Versuch. Die Steine sind teilweise rutschig und die Strömung stark, doch das Experiment glückt. Nun zurück zum Rucksack und auch den bringe ich trocken ans andere Ufer. Wer glaubt mir diese Geschichte? Also muss ein Foto her. Ich bringe den Fotoapparat in Stellung und nun nochmals in den Fluss. Danach trockne ich die Füsse mit dem Hut ab und wieder rein in die Schuhe. Um 15.15 Uhr treffe ich bei der Unterkunft ein und erhalte einen Schlafplatz in einem 4-er-Zimmer. Schuhe ab – Rucksack soweit nötig auspacken – Bett richten – Tee kochen und schon bin ich bereit für die Umgebung. Die bewohnte Samensiedlung am See will ich noch fotografieren und so gehe ich mit den Sandalen auf den Weg. Nasse Stellen zwingen mich, die Socken und später auch die Schuhe auszuziehen. Zurück in der Hütte, führe ich das Tagebuch nach und studiere den nächsten Tag. Es beginnt leicht zu regnen und nach dem Saunabesuch, die nur auf einem steilen Weg erreichbar ist, folgt das Nachtessen – Gerstensuppe, Knäckebrot und Tee. Ein Deutscher erzählt von seinen Erlebnissen auf einem Hike von Mexiko Richtung Alaska. Durch einen Unfall musste er abbrechen.

    Ein Schwede, der unterwegs von mir ein Foto gemacht hat, hinkt an unseren Tisch. An einem Fuss hat er eine grosse Blase am Fersen, am anderen Fuss eine Zehe dick eingebunden. Er hat den Zehennagel um gedrückt und daher sein Humpeln.

    So bin ich froh, dass ich um 21 Uhr, noch taghell, heil ins Bett gehen kann.

     

     

    Sonntag, 9. August 2015, 3. Etappe: Gegen den Strom

    Alesjaure - Sälka

    Länge:                    25.2 km

    Aufstieg:                 499 Hm

    Abstieg:                   427 Hm

    Ausgangspunkt:      780 müM

    Etappenziel:            840 müM

     

    Fröhliche – ernste – schmerzverzehrte Gesichter mit leichtem – schwerem – hinkendem Gang kommen mir die Wanderer entgegen, aber alle mit grossen Rucksäcken und in Pullover und Jacken gehüllt. Einige Hunde mit Packsäcken sind auch dabei. Die einen ziehen still, andere diskutierend vorbei. Diese Karawane beginnt vor dem Tjäktapass und bleibt dann den ganzen Tag. Das ist der „Fjällraven classic", eine Trekkingtour von Nikkaluokta nach Abisko mit etwa 2300 Teilnehmern während 4 Tagen.

    Die Morgensonne scheint um 6.15 Uhr bereits, so stehe ich auf, frühstücke, packe und bin um 7.30 Uhr marschbereit. Der Himmel ist nun bedeckt, die Sonne hat sich zurück gezogen und einige Wolken hängen um die Berge. Los geht’s durch die Ebene dem Fluss entlang. Einige Lemminge kreuzen meine Weg, jedoch bin ich zu wenig schnell mit dem Fotoapparat. Nach zwei Stunden mache ich Rast, weit voraus sehe ich schon die Tjäktastugan, von der es nur noch 150 HM zum Pass ist, jedoch durch eine endlose Steinwüste. Dabei müssen auch kleine Schneefelder überquert werden. Auf dem Tjäktapass ist es windig, trotzdem mache ich Pause, da der Hunger sich wieder gemeldet hat. Bald schon kommt aus dem Tal ein weisser Schleier und er gib leichten Nieselregen. Soll ich auf Regen umstellen? Nein – ich packe zusammen und gehe talwärts. Steil geht es hinunter und so habe ich schnell etwa 200 Höhenmeter geschafft und schon ist das Wetter wieder besser. Ich ziehe die Faserpelzjacke aus und kurzärmelig geht’s an den Touristen vorbei zur Sälkastugan. Bereits um 15.15 Uhr habe ich das Tagesziel erreicht, das Nachtlager wieder zusammen mit dem Deutschen. Die Umgebung füllt sich laufend mit den Zelten der Teilnehmer des Fjällraven classic. Nach der Ankommenspause gehe ich in die Sauna, die auch überfüllt ist. Max und Käthi, die ich in Abiskojaure erstmals getroffen habe, sind am Abend auch angekommen. Es herrscht ein reges Kommen und Gehen in dieser „Einsamkeit“, aber morgen Mittag entkomme ich diesem Rummel wieder. Die Sonne ist um 19.45 Uhr hinter den Bergen und Wolken verschwunden, doch es bleibt taghell.

     

     

    Montag, 10. August 2015, 4. Etappe: Jetzt kommt Neuland

    Sälka - Kaitum

    Länge:                    23.4 km

    Aufstieg:                 212 Hm

    Abstieg:                   455 Hm

    Ausgangspunkt:      840 müM

    Etappenziel:            680 müM

     

    Bei meiner Tagwache um 6.30 Uhr erwacht auch das Leben in der Zeltsiedlung. Um 7.30 Uhr müssen die Füsse wieder in die Wanderschuhe, was ohne Probleme möglich ist. Nun geht es wieder weiter, an der stehenden WC-Kolonne vorbei und bald ist die bunte Zeltsiedlung hinter mir. Das Wetter ist sehr schön, die Sonne scheint und einzelne Wolken zeigen sich. Der Gegenstrom auf dem Weg reisst nicht ab. Das Tal ist weit und offen, rechts des Weges rauscht der Bach. Nach drei Stunden erreiche ich die Singistugrona und so bin ich nun den Fjäll classic und seine Teilnehmer los. Auf einem Stein, abseits des Weges, mache ich Rast – ohne Wanderer, aber mit Mücken. Nun kommen noch 13 Kilometer talauswärts ohne grosse Höhenunterschiede. Orchideen am Wegrand, ein verfallener Unterstand der Samen, rot glühendes Heidekraut usw. ermuntern mich immer wieder zum Fotografieren. Noch ein kurzer Anstieg, eine Trinkpause, ein Blick zurück ins Tal und dann geht es um den Bergrücken mit einer Seilbrücke über den Tjaktjakka. Bald erscheinen einzelne Birken und durch den Wald sieht man den Kaitumjaure. Geradeaus ist eine steile Felswand und der Kungsleden wird dadurch nach rechts geleitet, direkt bei der Kaitumsutgorna. Diese Station hat keine Sauna, sodass Waschen im Bach angesagt ist, aber Vorsicht – der Bach hat eine starke Strömung. Die Lufttemperatur beträgt ca 15° Grad. Nach dem Fusscremen musste Mückenspray her, bevor ich die „Teekur“ durch ein Bier vor der Hütte unterbrechen kann. Zum Znacht machte ich „Arpsopp“, eine Art Erbsensuppe mit Fleischbeilagen. Morgen kommt die erste Bootsfahrt oder Ruderstrecke. Dazu wollen wir gemeinsam ein Gruppe bilden (Käthi und Max sowie Michael).

    Es zeigt sich, dass die Marschzeiten für mich zu dieser Zeit (August – September) wie in der Schweiz gerechnet werden können. Dazu sollte jedoch der schwere Rucksack noch gerechnet werden. In der Vorsommerzeit muss wegen der Schneeschmelze mit grösserem Zeitaufwand gerechnet (Umgehungen, Furten von Bächen, Schneefelder usw.) werden

     

     

    Dienstag, 11. August 2015, 5. Etappe: Michael’s Pechtag

    Kaitum - Vakktotavare

    Länge:                    22.7 km

    Aufstieg:                 682 Hm

    Abstieg:                   850 Hm

    Ausgangspunkt:      680 müM

    Etappenziel:            620 müM

     

    Grau und trüb präsentiert sich der heutige Tag. Nach dem Frühstück starte ich um 7.30 Uhr leicht ansteigend. Gemeinsam haben wir den Treffpunkt bei Teusejaure vereinbart, um die Seeüberquerung mit dem Motorboot des Stugvard’s zu unternehmen. Bald treffe ich auf Michael und auf dem höchsten Punkt machen wir einen Teehalt. Unterwegs gab es leichten Nieselregen. Jetzt hängen die Wolken tief um die Berge und lassen nur erahnen, wie hoch sie sind. Wenn sich diese schwarzen Wolken nur nicht entladen! Einzeln gehen wir wieder los über die weite Hochebene und in der Ferne ist eine weitere Ebene erkennbar, die wir heute auch noch durchschreiten werden. Es folgt ein steiler Abstieg nach Teusejaure, einer schönen Hütte direkt am See. Bald ist die Bootsfahrt mit dem Hüttenwart abgesprochen und ich mache noch Fotos am See. Zurück bei der Hütte sehe ich den niedergeschlagenen Michael, denn er ist kurz vor der Hütte ausgerutscht und hat sich dabei den rechten Arm gebrochen. Der Stugvard hat bereits den Helikopter alarmiert und die Frau kümmert sich um Michael. Bald setzen wir unsere Tour zu dritt fort. Der Hüttenwart bringt uns sicher über den welligen See. Nun geht es wieder 400 Meter bergwärts. Bald ist der Birkenwald hinter mir und die Weitsicht breitet sich wieder aus. Das Fjäll scheint unendlich gross zu sein. Der Weg führt mich über eine grosse Hochebene, in der Ferne sind hohe Schneeberge und Gletscher zu sehen. Es weht ein zügiger Wind und so mache ich meine Rast versteckt hinter grossen Steinen. Wie geht es wohl Michael? Auf dem Weitermarsch entdecke ich herrliche Flechten auf den Steinen und quere unzählige frische Bächlein mit hellgrün leuchtendem Moos. Nur wenige Wanderer treffe ich an. Die Ebene senkt sich leicht und im Tal entdecke ich einen See. Das muss der Suorvajaure sein, an dessen Ufer das Tagesziel ist. Noch geht die Ebene nur leicht abwärts, aber bald kommt ein Steilhang. Links rauscht ein wilder Bergbach hinunter zum See, während auch der Wanderweg steil nach unten geht. Achtung – dass es mir nicht wie Michael geht! Eine Holzbrücke überquert den Bach und durch die Bäume sehe ich die Vakkotavare-Hütte. Sie liegt an einer Verkehrsstrasse, die erste seit dem Start in Abisko. Die Freiluftdusche, ein Wasserrohr vom Bach, besitzt jedoch einen Duschvorhang. Diese Hütte ist sehr klein, hat nur 16 Betten und ist voll belegt.

    Heute kann ich, mit 3 Tagen Vorsprung, wieder einmal eine Nachricht in die Schweiz senden. Die ersten 100 Kilometer sind geschafft und momentan bin ich wieder in der Zivilisation angekommen. Autos, Strasse und Hochspannungsleitung zeigen das an. Nach drei Tagen mit Doppeletappen folgt morgen ein Ruhetag.

     

     

    Mittwoch, 12. August 2015, 6. Etappe: Ruhetag

    Vakktotavare - Saltoluokta

    Ausgangspunkt:      620 müM

    Etappenziel:            400 müM

     

    Ich höre das Klappern im Aufenthaltsraum, doch bleibe ich liegen. Heute ist ein Erholungstag, den uns der Bus- und Fähre-Fahrplan vorgibt und auch willkommen ist.

    Um 8.00 Uhr krieche ich aus dem Bett. Draussen ist es bewölkt mit Sonnenschein. Es wird ein guter Tag werden. Kaffe mit Knäckebrot und Schinkenaufstrich ist das Frühstück. Um 9.45 Uhr stehen wir für die Busfahrt bereit und sind gespannt, was da kommt. Ein grosser Bus nimmt uns pünktlich auf und in gemütlicher Fahrt geht es dem Sourvajaure entlang. Der Fahrer erklärt die Gegend auf schwedisch, bei Stora Sjöfället gibt es eine lange Pause, da noch Waren für das Restaurant ein- und ausgeladen werden müssen. Bei Kebnats können wir direkt auf die Fähre umsteigen und in ruhiger Ueberfahrt erreichen wir Saltoluokta. Es ist etwa 12° Grad warm, die Sonne scheint und ein zügiger Wind geht. Nach dem Unterkunftsbezug sitze ich alleine am Strand zum Mittagslunch. Vor mir der wellende See, dahinter bewaldete Hügel und Schneeberge und weisse Wolken am Himmel runden das schöne Bild ab. Herrlich, hier zu sitzen und ohne Probleme gesund in die Welt zu träumen. Im Restaurant sitze ich danach bei Kaffe, führe das Tagebuch nach und studiere die nächsten Etappen. Was muss ich noch einkaufen – es kommen vier Etappen abseits der Zivilisation.

    Abend’s geht’s zur „Schlacht am Buffet“. Abendessen ist um 18.00 Uhr angesagt und vor dem Esssaal sammeln sich immer mehr Leute. Es folgt die Saalöffnung und jeder wird namentlich aufgerufen, der dann in den Saal eintreten darf. Es gibt zur Vorspeise ein grosses kaltes Buffet mit Salat und Fleisch, danach warmes Buffet mit Hackfleisch, Kartoffelstock, Preiselbeeren und Erbsen. Jedes Mal entsteht vor dem Buffet ein grosses Gedränge.

    An meinem Tisch sind nur Schweden und zwei von ihnen unterhalten all mit ihren Sprüchen und Heldentaten. So ist meine Deutung ihrer Mimik.

     

     

    Donnerstag, 13. August 2015, 7. Etappe: Alle Wege führen zum Ziel auch die ....!

    Saltoluokta - Sitojaure

    Länge:                    19.2 km

    Aufstieg:                 474 Hm

    Abstieg:                   230 Hm

    Ausgangspunkt:      400 müM

    Etappenziel:            660 müM

     

    Der Tag beginnt gut, um 7.00 Uhr steht ein grosses Frühstücksbuffet bereit. Auch das Wetter zeigt sich wieder vonder guten Seite. Kurz nach 8.00 Uhr starte ich durch den Wald und bald geht es aufwärts. Ich folge einer Fahrspur, hinter mir bald der Ausblick über den Wald zum See. Am Seeende sehe ich noch einen schönen Regenbogen. Die Spur ist gut, aber keine Markierung –ist das gut? Auch auf der Kuppe keine Markierung – ich schaue auf der Karte nach und schwenke nach rechts. Bald erkenne ich Markierungsstangen. Sie zeigen die Grenze des Nationalpark’s an und die Wegspur ist deutlich zu erkennen und mit frischen Spuren. Also folge ich dem Weg, schwenke vor dem Fluss nochmals nach rechts und durch Birkengestrüpp und Sumpfgebiete erreiche ich den Bergfuss – aber nichts vom Kungsleden. Da stimmt sicher etwas nicht! Jetzt ist es Zeit für das GPS, die Karte und den Kompass. Diese geben mir die Richtung zum Weg vor und ein Bergsattel am fernen Horizont ist jetzt mein Fixpunkt. So wandere ich nun querfeldein durch die Ebene und sehe in weiter Ferne zwei sich bewegende Punkte. Es sind Käthi und Max. Ich hole sie auf dem richtigen Weg ein. Nun bin ich wieder auf dem Kungsleden und bald entdecke ich vor mir 3 Rentiere, die zu einer Herde gehören. Meine Ankunft stört sie und sie gehen den Hang hinauf. Ein steifer Wind weht, die Sicht ist gut. Eine kleine Wetterschutzhütte bietet mir den windgeschützten Ort für die Mittagsrast. Auch Käthi und Max machen hier Halt. Nun geht es über eine endlose Ebene weiter. Auf einem Stein präsentiert sich ein Vogel, dem ich mich bis auf etwa 5 Meter annähern kann. Endlich wird der See sichtbar und der Weg führt in den Birkenwald und zur Hütte am See. Heute haben wir wieder eine richtige Hütte, ohne Touristen. Das Abendessen besteht aus Boullion, in der ich die Tortellini gekocht habe. Eine Schweizer, Franziska aus Basel, kommt aus der Gegenrichtung und erzählt von ihren bisherigen Erlebnissen. Leider haben die benachbarten Samen keinen geräucherten Fisch zu verkaufen. Eine schöne Abendstimmung schliesst den Tag ohne Regen.

     

     

    Freitag, 14. August 2015, 8. Etappe: Zusatz Skierffe

    Sitojaure - Aktse

    Länge:                    14.4 km

    Aufstieg:                 774 Hm

    Abstieg:                   451 Hm

    Ausgangspunkt:      660 müM

    Etappenziel:            560 müM

     

    Heute bin ich Spätaufsteher, denn die Bootsfahrt zu Beginn der heutigen Etappe ist erst um 9.00 Uhr möglich. Ein grauer Wolkendeckel hängt drohend am Himmel. Rechtzeitig kommt der Bootsfahrer und bringt uns in rassiger Fahrt über den See. Jacke ausziehen – in T-Shirt und kurzen Hosen geht es wieder los. Bald bin ich aus dem Birkenwald und der See und seine Umgebung zeigt sich immer mehr. Ein kurzer steiler Anstieg und schon bin ich auf der Hochebene. Der Blick zurück schweift über den See, die letzte Unterkunft und auf einen Teil der gestrigen Etappe, voraus verläuft die Hochebene jetzt noch in den Himmel. Doch schon bald zeigen sich in weiter Ferne wieder Bergrücken. Die heutige Etappe ist mit 8 km kurz, daher haben wir, Max, Käthi und ich vor, den Skierffe noch zu besteigen. Vor dem Abstieg nach Aktsestugorna führt der Weg nach rechts durch Birkengebüsch an einem grossen Findling wieder leicht aufwärts. Nun folgt ein langer Bergrücken mit steinigem Untergrund. Das Gehen erfordert jederzeit Konzentration und der Weg zieht sich endlos dahin. Noch ein steiler Gipfelanstieg und ein grossartiges Rundum-Panorama belohnt die Mühen. Zudem ist im Talgrund das riesige Verlandungsgebiet vom Laitaure, durch das unzählige Wasserarme führen. Das Wasser weist wegen dem Schwemmanteil eine sehr unterschiedliche Färbung auf. Ich mache noch Mittagslunch und zum Dessert Schokolade. Plötzlich spüre ich etwas Festes, es ist ein Teil einer Zahnfüllung. Ich spüre das Loch mit der Zunge, aber es geht auch so. Nach einer Stunde Gipfelrast nehme ich den Abstieg in Angriff, der im letzten Teil vor der Hütte steil durch einen steinigen Weg (Bachbett?) hinab führt.

    Die Hütte liegt in einer Lichtung und bietet eine schöne Sicht auf den See. Draussen hat es aber unzählige Mücken. Die Dusche, kaltes Wasser aus dem Bach, ist an der Freiluft hinter einem Vorhang und daher sehr erfrischend.

    Dieser Tag mit der zusätzlichen Besteigung war anstrengend, hat sich aber sicher gelohnt. Spät nachts kommen noch zwei Wanderer, die irgendwo ein Bett suchen.

     

     

    Samstag, 15. August 2015, 9. Etappe: Höhenwanderung im Rittak-Tal

    Aktse - Parte

    Länge:                    19.0 km

    Aufstieg:                 523 Hm

    Abstieg:                   524 Hm

    Ausgangspunkt:      560 müM

    Etappenziel:            500 müM

     

    Der heutige Tag beginnt wieder mit einer Bootsfahrt, sodass ausschlafen bis 7.30 Uhr möglich ist. Der Stugvard führt uns zum Bootssteg und bringt uns in ruhiger Fahrt über den See. Die Müdigkeit von gestern ist wieder verflogen und es geht gut gelaunt durch den „Urwald“ trotz der Mücken los. Die heutige Gegend soll ein Lieblingsort für Bären, Elche usw. sein und so hänge ich auch das „Bärenglöcklein“ an. Der Himmel ist grau bedeckt und die Wolken hangen um den Skierffe, unseren gestrigen Aussichtspunkt. Auf den etwa 5 km durch den Wald, vorbei an alten umgestürzten Tannen und Birken, treffe ich auch noch Camper an, die die Nacht in der Wildnis verbracht haben – bald geht es mir auch so! Nach einer Brücke und Sumpfgebiet führt der Weg nun bergauf und die Schweisstropfen sind wegen des fehlenden Windes am T-Shirt gut sichtbar. Ein schöner Platz mit Aussicht über den Tjaktjajaure lädt mich zur Mittagsrast ein. Rentierwurst – Knäckebrot – Tee und zum Dessert Schokolade ist das Menue, dazu eine Aussicht über Seen und Wälder zu fernen Bergen und Ruhe. Bereits bin ich 10 Tage unterwegs ohne Nachrichten – Fernsehen – Musik usw. und ich vermisse es nicht! Es ist absolute Ruhe und soweit das Auge reicht, keine Strasse, kein Haus, nichts von Menschenhand geschaffenes – nur Natur. Der Weg führt nun als Höhenwanderung leicht auf und ab dem Berghang entlang. Auf einem Felskopf sind einige Wanderer und bald geht der Weg wieder talwärts, wie immer sehr steinig. Im den Birkenwild tauchen auch wieder Mücken auf. Lange dauerte der Zickzack-Weg durch den Wald, jetzt auch mit Tannen, bis endlich der See durch das Gestrüpp grüsst. Nun kann es nicht mehr lange dauern. Am Weg lagen noch einige stark verdrehte Tannen. Endlich ist die Parte-Hütte, auf einer Landzunge am See gelegen, erreicht und ich kann den Mückenangriff auch mit dem Mückenmittel nicht abwehren. Ich flüchte in die offene Hütte und warte bei Tee und Schokolade auf den Stugvard. Das Waschen erledige ich im See, der gar nicht so kalt ist. Der Stugvard taucht auf, er war anscheinend beim Fischen. Er räuchert sie in einem Blechfass und bietet sie zum Kaufen an. Ich lasse mir das nicht entgehen und geniesse als Vorspeise frisch geräucherten Fisch. Danach gibt’s noch Kartoffelstocksuppe. So schliesst der Tag mit einem vollen Magen ab – morgen geht es wieder einmal kurz in die Zivilisation.

     

     

    Sonntag, 16. August 2015, 10. Etappe: Zwischenhalt in der Zivilisation

    Parte - Kvikkjokk

    Länge:                    15.7 km

    Aufstieg:                 166 Hm

    Abstieg:                   361 Hm

    Ausgangspunkt:      500 müM

    Etappenziel:            320 müM

     

    Die heutige Etappe ist einfach und bereits um 7.30 Uhr bin ich startbereit. Die ganze Etappe führt durch einen unbewirtschafteten Wald. Viele alte Stämme liegen herum und sind am Vermodern. Dazwischen hat es viele Moorgebiete. Von der Tierwelt sind nur wenige Vögel zu sehen.

    Welche Tiere beobachten mich wohl durch das Gebüsch?  Wie war es wohl, als vor 100 Jahren die ersten Menschen diesen Weg suchten? Wieviele Wirrungen, Hindernisse usw. hatten sie dabei zu überwinden? Dabei hatten sie eine viel schlechtere Ausrüstung als wir heute.

    Zu diesen Leistungen ist meine Wanderung heute sicher nur ein leichter Spaziergang. In Gedanken versunken wandere ich dahin und muss mich immer wieder auf den Weg konzentrieren. Er ist steinig und dann wieder sumpfig und die Bretter teilweise nass. Plötzlich taucht das Schild „1 km Fjällstation“ auf. Vor der Rückkehr in die Zivilisation mache ich aber noch eine Mittagsrast auf einem alten Baum sitzend. So komme ich ausgeruht am Tagesziel um 12.30 Uhr an. Ich erhalte ein schönes 4-Bett-Zimmer. Dann geniesse ich die warme Dusche und wasche alle Kleider. Die herrlich scheinende Sonne trocknet diese Kleider im Nu und vor dem Abendessen kann ich alles trocken wieder einpacken. Der Besuch der Sauna –Rundgang durch das Dorf – Einkaufen und Nachführen des Tagebuches runden den Nachmittag ab. Das SMS in die Schweiz habe ich schon am Mittag gesandt und so kann ich an der Sonne, mit einem Bier in der Hand, auf das Abendessen warten. Zum Znacht gibt es ein Salatbuffet sowie Rentierkotlett. So schliesst dieser Tag gemütlich ab und ich gehe frühzeitig bei Tageslicht zu Bett.

    Morgen beginnt ein anderer Teil des Kungsledens – mit Uebernachten im Zelt. Wie wird das wohl? Erlebe ich vielleicht schöne Abend- und Morgenstimmungen?

     

     

    Montag, 17. August 2015, 11. Etappe: Start in die Zeltetappen

    Kvikkjokk - Sierggabuelida

    Länge:                    20.2 km

    Aufstieg:                 800 Hm

    Abstieg:                   274 Hm

    Ausgangspunkt:      320 müM

    Etappenziel:            830 müM

     

    Die Bootsfahrt ist erst um 12.30 Uhr. So ist ein ausgiebiges Frühstück und danach langes Warten angesagt. Am Baum vor der Unterkunft hängt eine Waage. Sie zeigt bei meinem Rucksack noch 20 kg an. Der Himmel ist wolkenlos blau und es ist für die ganze Woche gutes Wetter angesagt. Das passt ja sehr gut zu den kommenden Zeltetappen. Ein Schwede, eine Deutsche und wir drei Schweizer lassen uns mit dem Boot über den See fahren und alle haben das gleiche Ziel – Vuonatjviken. Der Weg führt zuerst flach durch den Wald und steigt danach ziemlich an. Es ist warm und bald bin ich zuvorderst. Der Schwede wundert sich über mein Glöcklein und meint, die Bären seien weit weg. Es geht sehr gut und um 13.15 Uhr bin ich schon am theoretischen Tagesziel – Tsielehjäkkstugan. Das ist eine kleine Schutzhütte, in der ich am Schatten Mittagsrast mache. Danach steige ich über den Wald weiter bergwärts bis auf eine Hochebene auf etwa 1000 müM. Die Aussicht auf viele Seen und viele weit entfernte Bergketten ist überwältigend. Ich trinke aus einem Bach und laufe durch diese Heidelandschaft. Erste herbstliche Farben zeigen sich. Am Ende der Hochebene angelangt, hat es einen schönen Platz für’s Zelt, jedoch kein Wasser. So beginne ich halt noch mit dem Abstieg, will aber unbedingt vor dem Wald zelten, wegen der Mücken. Bald sehe ich ein kleines Bächlein und auch einen schönen Platz mit viel Aussicht. Bereits beim Aufstellen des Zeltes kommen viele kleine Mücken, die lästig sind, aber wenigstens nicht stechen. Das merke ich aber später als Fehlschluss. Bald ist das Zelt eingerichtet und zum Znacht gibt es Polenta und Bachwasser. Danach ziehe ich mich wegen der grossen und kleinen Mücken ins Zelt zurück, führe das Tagebuch nach und studiere den morgigen Tag.

    Diese Nacht möchte ich die nächtliche Stimmung erleben und stelle den Handy-Wecker auf 23.oo Uhr. Ah – ich habe ja Handyempfang, also noch ein SMS in die Schweiz! Im Abstand von zwei Stunden werde ich diese Nacht immer ein Foto machen und so den Nachtverlauf festhalten.

     

     

    Dienstag, 18. August 2015, 12. Etappe: Mücken – Wälder – Sumpf

    Sierggabuelida - Joksakjahka

    Länge:                    27.2 km

    Aufstieg:                 669 Hm

    Abstieg:                   561 Hm

    Ausgangspunkt:      830 müM

    Etappenziel:            920 müM

     

    Bereits um 3.oo Uhr herrscht Morgenstimmung am Horizont und auch um 4.oo Uhr mache nochmals Fotos. Um 6.3o Uhr krieche ich aus dem Zelt. Die ersten Mücken und die strahlende Sonne begrüssen mich. Schnell mache ich warmes Wasser und esse das erste Mal Frühstückmüseli von zu Hause. Danach abwaschen – aufräumen – Zelt abbrechen und packen. Max und Käthi kommen auch schon, auch sie wurden von den Mücken vertrieben. Bald hole ich sie wieder ein und so bin ich wieder der Vorderste der fünf, die gestern gestartet sind. Die Mücken und kleinen Fliegen begleiten mich lästig. Der Weg geht endlos durch den Wald. Plötzlich ein Flattern, rechts neben mir und ein Auerhuhn flüchtet in den Wald. Und dann ist es wieder still. Am Flusslauf vor der Brücke kommt mir eine Fischerfamilie entgegen. Das sind die einzigen Leute, die ich heute treffe. Gestern waren es 3 Wanderer. Endlich habe ich die Brücke erreicht und der Weg führt auf der andern Seite dem Ufer entlang. So werde ich die Plagegeister auch nicht los. Nach langem Marsch geht der Weg endlich berg auf, sodass die Mücken hoffentlich bald verschwinden. Ich bin seit mehr als 4 Stunden unterwegs, habe nur Wasser getrunken und muss jetzt trotz Mücken eine kleine Esspause machen. Der Weg steigt jetzt stark an und ich komme aus dem Wald. Bald bleiben die Mücken aus und auf der Hochebene beim ersten Bach mache ich eine ausgiebige Rast in aller Ruhe. In der Ferne erkenne ich meinen Zeltplatz – so weit bin ich heute schon gekommen! Nach einer Stunde breche ich wieder auf. Im Zickzack geht es durch ein Labyrinth von Seen und danach immer leicht steigend den Berg hinauf. Die Rundsicht wird immer besser, hier sollte man bleiben können. Doch bis ich frisches Wasser finde, muss ich wieder leicht absteigen. Alles was heute gelaufen ist, muss ich morgen nicht mehr! Um 17.oo Uhr habe ich einen Rastplatz mit Bach. Nach dem Zeltaufbau mache ich auch noch Wäsche im Bach. Anschliessend an das Nachtessen tauchen aber wieder Mücken und Fliegen auf. Noch das Tagebuch nachführen und dann ab ins Zelt. Bereits um 20.00 Uhr bin ich im Schlafsack, draussen ist es noch taghell und das Zelt hat keine Nachtvorhänge! Langsam döse ich jetzt mückenfrei in die Nacht.

     

     

    Mittwoch, 19. August 2015, 13. Etappe: Wieder ein richtiges Bett

    Joksakjahka - Vuonatjviken

    Länge:                    13.6 km

    Aufstieg:                 26 Hm

    Abstieg:                   443 Hm

    Ausgangspunkt:      920 müM

    Etappenziel:            520 müM

     

    Bereits um 4.00 Uhr mache ich die ersten Fotos von der Morgenstimmung, danach krieche ich aber erst um 7.30 Uhr aus dem Zelt. Einzelne Mücken beobachten mein Frühstück und unterhalten mich dabei. Danach das grosse Aufräumen und Packen, so dass ich um 8.30 Uhr starten kann. Es geht langsam bergabwärts auf ein Seen-Labyrinth zu. Wie viele Mücken erwarten mich wohl heute wieder? Leicht auf und ab – über Stock und Stein – nach links und rechts geht der Weg durch die Sümpfe und wieder  an schönen Seen vorbei. Birkenwälder und auch Tannen und Föhren geben Schatten – dazwischen wieder einmal etwas Wasser aus den vielen Bächen. Ich schätze meine Ankunft um etwa 14.oo Uhr und so denke ich, nach 12.00 Uhr noch eine Rast einzulegen. Da die Mücken mich beim Laufen in Ruhe lassen, ziehe ich noch etwas weiter und bereits um 12.30 Uhr treffe ich auf ein Haus.

    Bin ich schon am Ziel?

    Eine kleine Siedlung, schön am See gelegen, habe ich erreicht und es ist bereits mein Etappenziel. So früh am Ziel, das gibt ja einen Erholungstag! Die Siedlung Vuonatjviken ist ganzjährig bewohnt und der Gastgeber kommt etwa eine Stunde später per Boot. Ich erhalte Unterkunft in einem Häuschen am See, später quartieren sich auch Käthi und Max noch bei mir ein. Ich verbringe den Nachmittag beim Duschen - Tagebuch schreiben und Kaffee trinken. Nach dem Feierabendbier im Restaurant koche ich noch Polenta und gehe vor 21.00 Uhr ins Bett.

    Heute Vormittag habe ich kurz vor der Siedlung den Polarkreis überschritten, ohne es zu merken.

     

     

    Donnerstag, 20. August 2015, 14. Etappe: Nur blauer Himmel

    Vuonatjviken - Jäkkvik

    Länge:                    16.2 km

    Aufstieg:                 385 Hm

    Abstieg:                   462 Hm

    Ausgangspunkt:      520 müM

    Etappenziel:            430 müM

     

    Ein spiegelglatter See und ein strahlend blauer Himmel erwarten mich um 7.00 Uhr bei der Tagwache. Um 8.30 Uhr bringt uns die Gastgeberin auf ihrem Boot durch den inselreichen See an’s andere Ufer zum Ausgangspunkt. Es geht durch Birkenwald auf schönem Weg direkt den Berghang hoch und ich komme auf eine Hochebene mit einzelnen Seen und Wachholderbüschen. Plötzlich wird die Sicht auf eine vor mir liegende Bergkette mit unzähligen Schneegipfeln frei. Welch ein Gegensatz zu dieser Heidelandschaft! Leichten Fusses, trotz des 20 kg-Rucksackes, geht es auf der Hochebene vorwärts und bald neigt sie sich ins nächste Tal zum Hornavan. Es kommen wieder Birkenwälder und der Weg wird mühsamer. Immer wieder muss ich sumpfigen Stellen ausweichen, aber auch wieder schöne Moor- und Seenlandschaften folgen. Irgendwann muss ich auch einen Fluss mit einem Boot überqueren. Unverhofft taucht der Fluss auf, aber nur ein Boot ist auf meiner Seite. Also rudere ich ans andere Ufer, deponiere meinen Rucksack und hänge ein zweites Boot an. Nun geht es wieder über den Fluss zurück zum Ausgangspunkt. Dort befestige ich ein Boot und die dritte Ueberquerung folgt. So komme ich zu drei Flussüberquerungen – nur gut, dass niemand meine ersten Ruderübungen erlebt hat. Da kein fliessender Bach vorhanden ist, esse ich nur wenig und wandere meinem Ziel, Jäkkvik, entgegen, das ich um 14.30 Uhr erreiche. Hier ist eine schöne Unterkunft direkt am See. Ein Laden zum Einkaufen und eine warme Dusche sind immer ein erfreulich. Auch die Wäsche trocknet schnell am Seeufer. Beim Spaziergang in der Umgebung entdecke ich zwischen den Bäumen immer wieder Häuser. Die Kapelle, die ich am Nachmittag besucht hatte, winkt von einer Landzunge über den See. Mit einer Steinpilzsuppe und einem Feierabendbier schliesst wieder ein schöner Tag wie bereits auf der ganzen Tour. Noch immer bin ich mit blasenfreien Füssen unterwegs – danke!

     

     

    Freitag, 21. August 2015, 15. Etappe: Und wieder ein schöner Tag

    Jäkkvik - Adolfström

    Länge:                    21.2 km

    Aufstieg:                 545 Hm

    Abstieg:                   502 Hm

    Ausgangspunkt:      430 müM

    Etappenziel:            460 müM

     

    Schöner kann ein Tag nicht beginnen – durch das Fenster sehe ich vom Bett aus in den strahlenden Tag. Wie spät ist es? Endlich ertönt der Wecker von Max und ich kann / darf aufstehen. Noch Kaffee und Knäckebrot mit Brotaufstrich zum Frühstück und schon stehe ich wieder mit vollbepacktem Rucksack vor der Unterkunft. Heute wollen wir bis Adolfström kommen. Die Schnellstrasse überqueren und nach wenigen Metern hat mich der Wald wieder. Auf gutem Weg geht es bergan und nach einiger Zeit erreiche ich die Waldgrenze. Die Aussicht wird langsam frei auf den gestern überquerten Bergrücken. Auch hier zeigt sich ein wunderbares Panorama und im Tal strahlt der See Hornavan. Nun wird der Bergrücken flach und in Mulden hat es einige verträumte Bergseelein. Der Weg ist gut und der Blick vorwärts schweift über ein komplett bewaldetes Tal zu fernen Schneegipfeln. Unverhofft kommt mir das Gedicht „Das weisse Spitzchen“ in den Sinn, doch der Text fehlt mir. Langsam senkt sich der Weg dem Hang entlang ins Tal und die Birken spenden bereits Schatten, aber auch Morgentau streife ich mit den Beinen von den Büschen. Nach fast zwei Stunden treffe ich auf eine Hütte im Wald, schön ausgebaut und einladend. Es ist ja schon die Pieljekaise-Stugan, die als Etappenort in der Beschreibung aufgeführt ist. An diesem schönen Ort „muss“ ich Rast machen, also Rucksack ab und Trinkbecher in den frisch sprudelnden Bach. Auf der Veranda sitzend, mache ich so eine gemütliche Pause. Frisch gestärkt geht es durch den Wald und Moore weiter. Trotz der Beschreibung, dass es hier eintönig sei, kommt keine Langeweile auf. Hier ein alter Baum, da wieder eine schöne Moosart, dort leuchtende Herbstfarben – immer wieder ein kurzer Halt zum Fotografieren. So komme ich gut vorwärts und ohne an das Mittagessen zu denken, erreiche ich eine neu gebaute, holprige Waldstrasse. Ich bin also der Zivilisation schon nahe und werde sicher bald Adolfström erreichen. Noch dauert es etwas auf dieser monotonen Strasse, aber bald höre ich ersten Lärm. An der Camping-Reception empfängt mich eine junge Dame, die in Flims-Laax gearbeitet hat und daher deutsch spricht. Ich erhalte ein Häuschen mit 4 Betten und Küche – WC – Dusche, also alles, was das Herz begehrt. So habe ich auch Platz für Käthi und Max.

    Da der Laden erst um 15.00 Uhr öffnet, kann ich duschen – waschen – essen und Kaffee trinken. Danach reicht die Zeit noch, um am See nach dem Weg für morgen zu sehen. Nach kurzem Warten kommen die Ladenbesitzer vom Fischen und nun kann ich einkaufen. Bin ich da in einem Museum, kann man hier überhaupt etwas kaufen? Alle Wände sind bis an die Decke mit Material verstellt und auch die Decke ist mit Bildern und Plakaten dekoriert. Man fühlt sich hier um viele Jahrzehnte zurück versetzt. Nach anfänglichem Stauen finde ich dann die nötige Verpflegung für die nächsten Tage. Und auch den Schlüssel für die übernächste Uebernachtung in den Rävfallstugan erhalte ich hier. Auf dem Rückweg kommen mir Käthi und Max entgegen und so sind wir auch für diesen Abend wieder gesund zusammen. Nach dem Apero-Bier suche ich noch den Platz mit dem Denkmal zum ehemaligen Silberabbau und entdecke noch ein altes Sägewerk, das einst mit Wasserkraft angetrieben wurde.

     

     

    Samstag, 22. August 2015, 16. Etappe: Zeltübernachtung mit Mücken

    Adolfström – Nuortta Lisvuotjahkka

    Länge:                    32.5 km

    Aufstieg:                 625 Hm

    Abstieg:                   282 Hm

    Ausgangspunkt:      460 müM

    Etappenziel:            830 müM

     

    Vor dem Esszimmer-Fenster geniesst auch ein Hase sein Frühstück an den Weidenästen. Im Haus ist seit 6.15 Uhr auch

    Betrieb, denn wir wollen all in den kühlen Morgenstunden losziehen. Bereits um 7.15 Uhr ist der Rucksack geschultert und es geht flotten Schrittes zum See. Durch den Wald führt der Weg auf und ab dem Seeufer entlang und nach zwei Stunden erreiche ich Bäverholmen, eine kleine Siedlung am Seeanfang. Das Cafe hat leider nur am Nachmittag geöffnet. Flussaufwärts geht es durch Moore und Wälder weiter. Eine Seilbrücke hilft, den reissenden Fluss zu überqueren und schon erreiche ich eine kleine Schutzhütte. Diese benutze ich für den Znünihalt, da im Innenraum kaum Mücken vorhanden sind. Jetzt geht es aber gerade den Berg hoch und über der Waldgrenze gibt es wieder Aussicht. Der Himmel ist wolkenlos blau und die Sonne scheint. Es ist sicher um 24° Grad, doch es gibt genug Bäche, um den Durst zu löschen. Das heutige Tagesziel ist offen, da im Zelt übernachtet werden muss. Ich träume von einem schönen Abend und bis Sonnenuntergang ohne Mücken vor dem Zelt sitzen zu können. Bei der Schutzhütte Sjnultjie wird die Zeltübernachtung vorgeschlagen. Diesen Punkt erreiche ich um 13.45 Uhr und ist in einer grossen Seenlandschaft – also auch entsprechend Mücken. So gehe ich weiter nach dem Motto „was heute gemacht ist, kommt morgen nicht mehr!“. Nach den Seen finde ich einen schönen Platz, aber die Mücken entdecken mich sofort. Also geht es zum zweiten Versuch mit dem gleichen Resultat. Gemäss Informationen hat es über der Waldgrenze (etwa 700 müM) keine Mücken, also ziehe ich weiter und der Weg beginnt zu Steigen. Auf der Höhe von 830 müM mache ich endgültig Halt, da ich sonst vielleicht kein Wasser mehr habe. Aber hier hat es noch mehr Mücken! Zum Zeltaufbau und kochen ziehe ich alles an, auch das Mückennetz über den Hut. Aber wie essen?  Ich sitze im Zelt, der heisse Kochtopf vor dem Zelt. Rasch den Teller füllen und zurück ins Vorzelt zum Essen. Nach dem Abwasch ziehe ich bereits um 18.30 Uhr (!) das Pjiama an und verkrieche mich ins Zelt – nichts mit dem romantischen Abend. Im Zelt sitzend, führe ich das Tagebuch nach und überlege, was die Tour von morgen wohl bringt. Nur sehr langsam wird es dunkel, aber irgendwann schlafe ich ein.

     

     

    Sonntag, 23. August 2015, 17. Etappe: Gemütlicher Sonntag

    Nuortta Lisvuotjahkka - Rävfalls

    Länge:                    14.9 km

    Aufstieg:                 218 Hm

    Abstieg:                   537 Hm

    Ausgangspunkt:      830 müM

    Etappenziel:            480 müM

     

    Schon 12 Stunden bin ich im Zelt. In der Nacht erwachte ich einige Male, dabei machte ich schlaftrunken einige Fotos. So krieche ich um 7.00 Uhr definitiv aus dem Zelt. Es ist ja schon lange taghell. Einige Mücken sind auch schon wach, also lange Hosen, Faserpelz, Hut und Moskitonetz zum Frühstück und Packen. Während dieser Zeit zieht eine Rentierherde etwa 1500 Meter lautlos an mir vorbei, nur durch ein Aufblicken habe ich sie entdeckt. Der weitere Aufstieg geht viel leichter als gestern Abend. Heute gibt es nur noch eine kurze Etappe bis zur Rävfallstugan. Den Schlüssel zu dieser Hütte habe ich in Adolfström bezogen und muss ihn in Ammarnäs wieder bei der Post aufgeben. Bald kommt der Wegweiser „Rävfallstugan 16 km“, also sollte ich um etwa 13.00 Uhr ans Ziel kommen. Auf einem schönen Weg geht es über eine Hochebene, dazwischen auch Brücken über Flüsse und einige Bäche zum Trinken. Warum wird es mir eigentlich nicht langweilig? Nun bin ich schon den 16. Tag auf Wanderschaft ohne Nachrichten, Musik usw. und trotzdem keine Langeweile. Ist es die wechselnde Aussicht, der vielfach holprige Weg, die kleinen Sachen (Blumen, Moose, Pilze usw.) am Wegrand? Vermutlich ist es die Mischung aller Eindrücke sowie die Spannung, was dieser und die nächsten Tage wohl bringen? Der Weg führt mich wieder in ein bewaldetes Tal und um 12.30 Uhr erreiche ich die Rävfallstugan. Eine schöne, gemütliche Hütte im Birkenwald neben einem rauschenden Bach. Ich hole frisches Wasser und geniesse den Mittagslunch im Haus. Danach ab unter die Dusche, ein immerwährender Wasserstrahl aus einem Schlauch, der hinter dem Haus zwischen zwei Birkenstämmen eingeklemmt ist.  Die verschwitzten Kleider kommen zur Wäsche anschliessend auch unter die Dusche. Ganz frisch kann ich anschliessend den Kaffee bei 27° Grad auf der Veranda geniessen. Die Mücken haben anscheinend Mittagspause  und die Wäsche hängt zwischen den Birken zum Trocknen. Danach geniesse ich noch die Sonne, die mich ruhend zum Schwitzen bringt. Wo sind wohl Käthi und Max? Mit ihnen habe ich mich hier verabredet. Wie schön ist es doch, so mitten in der Wildnis Pause zu machen und die Ruhe zu geniessen! Auch abends ist es ruhig, zwei Schweden schlafen noch neben dem Haus im Zelt. Um 19.45 Uhr versinkt die Sonne hinter den Bergen.

     

     

    Montag, 24. August 2015, 18. Etappe: Höhenwanderung nach Ammarnäs

    Rävfalls - Ammarnäs

    Länge:                    21.8 km

    Aufstieg:                 562 Hm

    Abstieg:                   646 Hm

    Ausgangspunkt:      480 müM

    Etappenziel:            420 müM

     

    Nach der Hütte überquere ich den Fluss auf einer schönen Seilbrücke und schon beginnt der Weg in dem ganz bewaldeten Tal zu steigen. Weiter oben treffe ich das schwedische Paar, das mit Mückenschutz ihr Zeltlager räumt – wie schön war es doch in der mückenfreien Hütte! Bald komme ich auf den offenen Hang und ein guter Weg erleichtert den Aufstieg auf den Bergrücken. Die Wanderung geht heute ganz leicht – ich bin alleine, nur ein leichter Wind weht. Auf dem höchsten Punkt mache ich Trinkhalt, geniesse die Aussicht und mache Fotos.

    Wo liegt wohl Ammarnäs, das heutige Ziel?

    Nirgends ist etwas Menschengemachtes erkennbar. Der Pfad führt an einem ausgetrockneten See vorbei in eine leichte Senke. Der Boden ändert sich vom Heidebewuchs wieder in saftiges Grün und sumpfige Stellen folgen. Nochmals geht es auf eine bewaldete Kuppe, bevor der Weg im Wald langsam abwärts führt. Erste Häuser sind erkennbar und plötzlich trete ich vom Tannenwald auf eine offene Teerstrasse hinaus. Und jetzt – geht es nach links oder rechts? Die Karte zeigt mir die Richtung und so gehe ich der Strasse entlang, bis endlich der Wegweiser zum STF-Vandrehm kommt. Ich werde freundlich empfangen und erhalte ein 6-Bett-Zimmer. Nach dem Duschen und Kleider waschen erhalte ich im Restaurant noch Mittagessen (Reis – Gulasch –Tomatensalat) und ein Bier. Nun muss ich noch den Schlüssel der Hütte auf die Post bringen, einkaufen und mich nach dem Weg für morgen erkundigen. Zurück in der Unterkunft, sind auch Käthi und Max wieder da. Ihnen wurde ein eigenes Zimmer zugewiesen und so habe ich diese Nacht ein Einzelzimmer. Mit Kartenstudium, Tagebuch und SMS vergeht die Zeit bis zum Nachtessen. Heute wird mir wieder einmal ein richtiges Essen, Suppe + Fisch mit Kartoffelstock und Gemüse, serviert, das ich sehr geniesse. Der Abendspaziergang führt mich noch auf den Kartoffelberg. Am steilen Berghang werden in kleinen Parzellen Kartoffeln angepflanzt und oben hat man eine herrliche Aussicht über Ammarnäs und das grosse Flussdelta. Die Kirche, die leider geschlossen ist, ist umgeben vom Friedhof im Birkenwald und den Kirchendorf. Das sind kleine alte Hütten ohne Fenster, in denen weit hergereiste Kirchenbesucher übernachten konnten. Nach dem Abendrundgang genoss ich mit Max noch einen Schlummertrunk. Sie machen morgen nur eine kleine Etappe und so werden sich unsere Wege trennen. Der Wetterbericht sagt in einigen Tagen Veränderungen voraus – Wolken, kälter und auch Regen. Trotzdem lege ich mich um 22.00 Uhr zufrieden ins Bett und schlafe wieder sehr gut.

     

     

    Dienstag, 25. August 2015, 19. Etappe: Abschied – Rentiere

    Ammarnäs - Serve

    Länge:                    26.7 km

    Aufstieg:                 976 Hm

    Abstieg:                   688 Hm

    Ausgangspunkt:      420 müM

    Etappenziel:            700 müM

     

    Die Sonne holt mich aus dem Bett, doch es gibt erst ab 8.oo Uhr Frühstück. Noch hat es Bodennebel über dem Flussdelta. Nach dem ausgiebigen Frühstück nehme ich Abschied von Max und Käthi. In Abiskojaure habe ich sie erstmals getroffen, seither waren wir im gleichen Rhythmus unterwegs und haben jeweils am gleichen Ort übernachtet. Sie nehmen die letzten Etappen etwas gemütlicher. So starte ich um 8.45 Uhr fast ein wenig wehmütig im Wissen, diese zwei Freunde nicht mehr zu treffen. Damit beginnen die letzten 78 km des Kungledens. Gemütlich steigt der Weg durch den dichten Wald, überquert mit einer Brücke den stiebenden Wasserfall und ich komme ohne Schwitzen aus dem Tal. So öffnet sich nun die Aussicht über Ammarnäs und den Näsberget, wo ein Teil des gestrigen Weges verlaufen ist. Weit hinten am Horizont sind die Schneeflecken zu erkennen, bei denen ich vor 3 Tagen im Zelt übernachtet hatte. Nach zwei Stunden habe ich die Aigertstugorna erreicht und ohne Halt gehe ich über die Ebene und den Hang hoch und dann nach rechts zum Pass beim Uhtsa-Aigart. Vor der Passhöhe noch ein kurzer Trinkhalt am Bach und schon habe ich wieder eine neue Aussicht mit Seen vor mir. Ein schöner Weg ist vor mir und ich überhole einen Asiaten in Turnschuhen. Auf einem Schneefeld entdecke ich eine grosse Herde Rentiere. Schnell zucke ich den Fotoapparat und schrittweise nähere ich mich der Herde, immer wieder Fotos schiessend. So komme ich bis auf etwa 30 Meter an die Tiere heran und sitzend kann ich sie beobachten. Während ich nach einiger Zeit aufstehe, setzt sich die Herde in Bewegung und verschwindet über den Bergrücken. Ich setze meinen Weg fort und mache den nächsten Zwischenhalt in der Aigert-Schutzhütte. Hier habe ich Aussicht auf meinen restlichen Tagesabschnitt und wie es morgen weiter gehen wird. Nun geht es abwärts und wieder durch Birkenwald, Noch eine Brücke über einen grossen Bach und der Wegweiser zeigt an, dass es noch 2 km bis zum Ziel dauert. Um 16.30 Uhr treffe ich ein, werde vom Stugvard empfangen und eingewiesen. Zuerst das Waschen am kühlen Bach, dann ein kleiner Einkauf und ein Bier. Nach dem Abendessen sucht der Stugvard noch Freiwillige, die Holz sägen. Zusammen mit einem Schweden beginne ich die Arbeit, die von vielen Mücken begleitet wird. So ist die Ausdauer des Schweden von kurzer Dauer. Danach arbeitet noch einige Zeit eine Schwedin mit. Doch die Mücken treiben auch mich wieder ins Haus – zum Feierabendbier.

     

     

    Mittwoch, 26. August 2015, 20. Etappe: Durch’s Insel-Labyrinth

    Serve - Syter

    Länge:                    26.9 km

    Aufstieg:                 533 Hm

    Abstieg:                   520 Hm

    Ausgangspunkt:      700 müM

    Etappenziel:            720 müM

     

    Der Himmel ist bedeckt, nur an einzelnen Stellen drückt die Sonne leicht durch. Auch die Temperatur ist merklich gesunken, vermutlich auf etwa 15° Grad. So kann ich um 7.30 Uhr zur heutigen Doppel-Etappe bei idealen Wanderbedingungen starten. Beim Abschied bedankt sich der Hüttenwart nochmals für den Holzereinsatz. Im leichten Auf und Ab führt der Weg durch die Heidelandschaft, vor mir mit einigem Abstand ein junger Pole, der im gleichen Raum geschlafen hat, aber kaum etwas spricht. Bald überholen mich zwei Sportler mit leichten Laufschuhen und kleinem Rucksack. Aus diesem Abschnitt, von Ammarnäs nach Hemavan, hat es andere Leute auf dem Weg wie vorher. Auch gestern Abend waren die Leute vor allem mit sich selbst beschäftigt und kaum einer interessierte sich für den Andern. Ich komme gut vorwärts. In der Ferne entdecke ich eine kleine Rentierherde. Sie verschwindet jedoch hinter einem Hügel. Nach einer Seenplatte geht es nochmals aufwärts, bevor in der Tiefe der See Tärnasjön erscheint. Bereits um 11.00 Uhr erreiche ich die gleichnamige Hütte am Seeufer und ich gehe direkt weiter. Jetzt habe ich die Hälfte des heutigen Tages. Der Weg führt nun dem See entlang durch den Wald. Immer wieder gibt es Uferabschnitte, die zum Baden einladen. Doch die Sonne scheint kaum, die Luft ist kühl und immer wieder kommt leichter Wind auf, also lasse ich das Baden im sicher kalten Wasser. Bei einem kleinen Bach mache ich Mittagsrast, damit ich auch zu Trinken habe. Nach dem Durchqueren eines fast trockenen Moorgebietes erreiche ich das Labyrinth am Seeende, das ich über 5 Seilbrücken und zwei Holzstege trockenen Fusses überqueren kann. Nun kommt noch ein steiler Aufstieg, nach bereits 25 gelaufenen Kilometern, der viele Schweisstropfen fordert. Bald danach erblicke ich erfreut das Hüttendach. Freundlich empfängt mich die Frau des Hüttenwartes und weist mir einen Schlafplatz zu. Nach dem Kaffee – Rentierfleich und Knäckebrot- gehe ich zum nahen Bach, um mich und die Kleider im kalten Wasser zu waschen – wie erfrischend das doch ist! Und nun, wie üblich, den Schlafplatz einrichten, Tagebuch nachführen und Route für morgen studieren. Leider gibt’s kein Bier mehr zu kaufen, so bleibt mir nur Kaffee und Wasser zum Abendessen.

     

     

    Donnerstag, 27. August 2015, 21. Etappe: Ziel erreicht – danke!

    Syter - Hemavan

    Länge:                    25.3 km

    Aufstieg:                 491 Hm

    Abstieg:                   748 Hm

    Ausgangspunkt:      720 müM

    Etappenziel:            460 müM

     

    Die Brotaufstrich-Tube ist leer, vom Knäckebrot bleiben noch 3 Scheiben für den Mittagslunch und das Kaffeepulver ist auch fast leer. Der Proviantsack geht’s wie der Tour – alles geht zu Ende. Letztmals wasche ich mein Geschirr, Zähneputzen am Bach und Rucksack packen. Heute hat sogar das Zelt im Rucksack Platz, sodass ich alles mit dem Rucksack-Regenschutz einpacken kann. Draussen ist es grau, etwa 12° Grad warm und der Weg verschwindet in der Wolkendecke. Ich verabschiede mich vom freundlichen Hüttenwart und folge dem Weg bergwärts. Noch einige Male drehe ich mich um, die unendlichen Weiten nochmals zu geniessen, die ich in den letzten Tagen durchschritten habe. Der Abschied fällt nicht leicht, doch heute ist es zu Ende. Ich steige höher und mit mir die Wolkendecke auch. Sie verschluckt mich nicht und in der Ferne brechen immer wieder Sonnenstrahlen durch – die Hoffnung auf einen trotzdem schönen Tag. Die umliegenden Berge zeigen sich den ganzen Tag nicht. Um mich ist es still, nur der Wind bläst und stösst mich durch das Syterbäcken-Tal aus dem Fjäll raus. Talauswärts zeigt sich aber die Sonne und so freue ich mich auf einen guten Abschluss. Nach den Viterskalsstugorna mache ich Mittagsrast, das getrocknete Rentierfleisch und das Knäckebrot sind danach auch aufgegessen. Trocken, aber windig und mit dunklen Wolken erreiche ich Hemavan und erhalte ein Zimmer für mich. Rasch unter die Dusche, nicht mehr im kalten Bach, und dann zu Kaffee und Kuchen. Per SMS sende ich den erfolgreichen Abschluss stolz in die Schweiz.

    Danke allen, die mir dieses grossartige Erlebnis ermöglichten und den vielen Schutzengeln, die mich auf dem Weg begleiteten. Ohne körperliche Beschwerden, aber manchmal mit Mücken, müden Beinen oder verspannten Schultern kämpfend, habe ich eine ganz neue Landschaft von ihrer besten Seite kennen gelernt. Und das ohne Regen und Sturm – welch ein Glück!

    Ich mache noch einen Rundgang durch Hemavan, kaufe noch FeierabendBier ein und laufe im Regen zurück in die Unterkunft. Hier sitze ich in einem 4-eckigen, weissen Zimmer. Niemand links oder rechts, kein Sprachengewirr – nur einfach ich – ich bin wieder in der Zivilisation und muss mich wieder daran gewöhnen. Zum Abendessen gehe ich ins Restaurant und geniesse das Salat-Buffet sowie den Dessert. Und das Feierabendbier trinke ich im Aufenthaltsraum der Unterkunft, mit dabei ist nur ein Schwede, der in den Fernsehapparat schaut. So ist es leicht, frühzeitig zu Bett zu gehen.

     

     

    Freitag, 28. August 2015: Ade Kungsleden

    Heute kommt ein neuer Abschnitt in meinem Schwedenunternehmen. Ich besuche die Blockhaus-Bauer vom Verein Blockhuus, geleitet von Neffe Andreas, in Arvidsjaur. Zum Frühstück gibt’s nur den Resten Kaffe und einige Waffelbiscuitt. Ich muss das Frühstückbuffet auslassen, da der Bus bereits um 7.51 Uhr abfährt. Umsteigen in Tärneby und Storuman. Da habe ich 1 ½ Stunden Aufenthalt und daher Zeit für das Mittagessen in einem thailändischen Restaurant. Um 14.40 Uhr treffe ich in Arvidsjaur ein. Andreas und ein Kollege warten schon auf mich. Nach einigen Besorgungen und einem Kaffee fährt der Kollege mit dem Bus nach Hause und wir in die Wildnis zum Blockhaus. Der schnellen Landstrasse folgt ein Feldweg, dann eine immer holprigere Waldstrasse und zum Schluss noch ein Fussmarsch. Schön im Tannenwald, mit Blick auf den See, taucht dann plötzlich das Blockhaus mit Sauna- und WC-Haus auf. Ich werde von den beiden Arbeitenden, Chrigel und Roger, freundliche empfangen. Bis zum Abendessen helfe ich beim Rüsten von Brennholz aus den Bauabfällen. Zum Abendessen vor dem Blockhaus sind wie gewohnt auch Stechmücken anwesend. Vor uns aber eine herrliche Abendstimmung der untergehenden Sonne über dem See. Noch arbeiten wir etwas weiter, solange es die Helligkeit zulässt, danach den Kaffe im Haus geniessen. Die Sauna wird eingeheizt und bei Vollmond geniessen Chrigel und ich noch die Sauna und das Bad im See. Hell scheint der Mond, unzählige Sterne leuchten und immer wieder leuchten helle Nordlichter am Himmel – welch eine herrliche Stimmung in dieser Einsamkeit. Zufrieden lege ich mich nach diesem schönen Tag zum Schlafen im Blockhaus nieder.

     

     

    Samstag, 29. August 2015: Bei den Blockhausbauern

    Im neu gebauten Blockhaus, bei Sonnenschein und Sicht auf den See, essen wir zu viert Frühstück. Nach drei Monaten Bauzeit ist Aufräumen angesagt. Ich zersäge das herumliegende Restholz zu Brennholz und schichte es im Unterstand auf. So ist für die nächsten Besucher im kommenden Jahr genügend Brennholz vorhanden. Danach gilt es, Hobelspäne, Abschnitte usw. zusammen zu rechen, soll doch auch die Umgebung nach der Abreise einen guten Eindruck hinterlassen. Auch das Türschloss am Materialcontainer muss noch repariert werden und viele andere kleine Dinge sind noch zu erledigen. Chrigel und die andern räumen das Werkzeug und die Maschinen zusammen und bringen sie zum Anhänger. Zum Abendessen koche ich Gemüsesuppe, Reis und Rentier-Filet. Dazu geniessen wir ein Glas Rotwein. Während dessen wird die Sauna aufgeheizt, die wir nach dem Essen und Kaffee benützen. Die Abkühlung erfolgt unter dem Sternenhimmel im See. Nach einigen Spielen und vergeblichem Warten auf die spuckenden Nordlichter am Himmel ziehen wir uns gegen Mitternacht in die Schlafsäcke zurück.

     

     

    Sonntag, 30. August 2015: Letztes Aufräumen

    Heute ist nur noch Aufräumen und Packen angesagt. Das Frühstück ist heute speziell mit Rührei + Speck, Porriche, Käse usw. Danach muss alles Material zu den Autos und Anhänger transportiert werden. Danach übernehme ich die Reinigung der Sauna, so gut es geht. Eine Menge Arbeit steht an, doch mit jeder Stunde wird die ganze Anlage schöner und so bekommen auch die Erbauer immer mehr Mühe, sich von diesem sehr gelungenen Werk zu verabschieden. Am Nachmittag besuchen wir noch den schwedischen Freund Bernd, der bei der Vermittlung des Grundstückes mitgeholfen hat. Nach Kaffee und Kuchen fahren Bernd, Andreas und Chrigel noch mit dem Boot auf Fischfang aus und kommen nach kurzer Zeit mit vielen Fischen zurück. Sie helfen Bernd noch beim Filetieren der Fische, danach verabschieden wir uns von Bernd und entsorgen noch den Abfall. Während ich Chrigel beim Verladen und Sichern des Anhängers noch helfe, fahren Andreas und Roger los via Norwegen in die Schweiz. Zurück beim Blockhaus, heize ich den Hotpot und Kochherd ein, während Chrigel noch Filmaufnahmen mit seiner Drohne macht. Bei Sonnenuntergang führe ich das Tagebuch nach und Chrigel kocht zum letzten Mal ein feines Nachtessen. Nach dem Kaffee geniessen wir noch lange das warme Wasser im Hotpot und die herrliche Abendstimmung am See. Der Mond leuchtet durch die Tannen und über uns ist der klare Sternenhimmel. Kein Lüftchen weht und alles ist still.

     

     

    Montag, 31. August 2015: Beginn der Heimreise

    Um 5.30 Uhr holt uns der Wecker aus dem Schlaf. Ein Kaffee mit warmem Wasser aus der Thermosflasche ist das Frühstück. Die letzten Arbeiten noch erledigen: Ofen beim Hotpot reinigen und zudecken, Asche aus den Kochherd entfernen, Syphon leeren usw.. Dann kommt das endgültige Schliessen des Blockhauses und schweigend marschieren wir mit dem letzten Gepäck zum Auto.

    Wann komme ich wieder an diesen schönen Ort zurück?

    Und schon geht die Fahrt mit dem vollgeladenen Anhänger durch die holprige Waldstrasse los und frühzeitig erreichen wir Arvidsjaur. Der letzte Abfall wird in den Container entsorgt. Nun trennen sich auch die Wege von Christian und mir. Er hat die lange Fahrt mit dem Auto und Anhänger in die Schweiz vor sich. Mich bringt nun der Bus nach Umea und von dort geht es weiter mit der Bahn. Da ich die Rückreise für den 7. September vorgesehen habe, sind die Reservationen nicht gültig und das Billet hat auch einen falschen Gültigkeitsbereich. Auf dem Bus-Reisezentrum wollen sie mit meinem Billet nichts zu tun haben und der Bahnhof ist nicht besetzt. So steige ich halt ohne Reservation in den Zug. Die Kontrolle akzeptiert aber mein Billet und so komme ich nach etwa 3 Platzwechseln und mehr als 5 Stunden Zugfahrt in Stockholm an. Nach einigem Suchen finde ich einen Informationsschalter der Schwedischen Bahn. Hier komme ich nun zu einer gültigen Reservation im Nachtzug nach Malmö. Noch eine Stunde warten, bis ich um 23.14 Uhr in den Zug und ins Bett steigen kann.

     

     

    Dienstag, 1. September 2015: Ein Tag im Zug

    Alleine im Abteil finde ich bald einen guten Schlaf, nach dem die Billetkontrolle ohne Probleme verlaufen ist. Der Drang zum WC holt mich  vor 6.oo Uhr aus dem Schlaf. Danach döse ich nochmals ein wenig weiter. Bald muss ich aber packen. Im Gang warte ich auf die Ankunft in Malmö, während draussen weite Kornfelder vorbeiflitzen und die Sonne hinter Wolken aufsteigt – eine schöne Morgenstimmung. In Malmö muss ich den Zug wechseln und über eine grosse Brücke geht es nach Kopenhagen. Ein erneuter Zugwechsel, der mich nach Hamburg bringen soll. Der Lautsprecher verkündet jedoch eine Störung und einen zusätzlichen Umstieg.

    Was bringt diese Reise wohl noch? Erreiche ich den Zug in Hamburg, da ich dort nur wenige Minuten zum Umsteigen habe?

    Mit der Fähre geht es nun von Dänemark nach Putgarden in Deutschland. Mit Verspätung erreicht der Zug Hamburg und ich werde auf einen Ersatzzug verwiesen. Ueber Osnabrück geht die Fahrt durch das Ruhrgebiet und ein schöner Abschnitt folgt von Koblenz dem Rhein entlang nach Mainz. Im Gebiet von Ludwigshafen grüsst die Abendsonne in den Zug, bevor sie hinter den Wolken verschwindet. Wir haben 20 Minuten Verspätung und noch ist unklar, wie es in Stuttgart weiter gehen wird – ich habe ja Zeit und mit dem Interrail-Seniorenbillet  muss ich mir auch keine Sorgen machen. Stuttgart ist Endstation des Zuges und eine Verbindung in die Schweiz gibt es nach 21.00 Uhr auch nicht mehr. Ich nehme im InterCity-Hotel, direkt im Bahnhofsgebäude, ein Zimmer und deponiere den Rucksack. Beim Geniessen des Schlummertrunkes im nahen Restaurant informiere ich die Daheimgebliebenen über meine Situation per SMS. Morgen früh um 7.58 Uhr geht meine Reise weiter über Konstanz nach Gossau – gute Nacht.

     

     

    Mittwoch, 2. September 2015: Und wieder Zuhause

    Dieser Tag beginnt mit einem grossen Frühstücksbuffet im Hotel. Herrlich, all die Köstlichkeiten – wenn die wüssten, wie mein Frühstück in den letzten Wochen war? Nach einem kargen Frühstück folgten jeweils mehr als 6 Stunden Wanderung mit schwerem Rucksack, nach diesem Schlemmerfrühstück sitze ich aber nur im Zug, so ein Gegensatz.

    Wie verkehrt ist doch die Welt oder was könnten wir bei unserer guten Ernährung doch alles leisten?

    Vorbei an den Vulkanhügeln im Hegau erreiche ich Singen, steige um in den Zug nach Konstanz und von hier bringt mich der nächste Zug nach Weinfelden und die Schweiz hat mich wieder. Hier muss ich noch ein Billet für die letzte Strecke lösen und bereits um Mittag treffe ich zu Hause ein.

    Einen Monat lang bin ich unterwegs gewesen. Eine lange Reise liegt hinter mir und dabei konnte ich unzählige Erlebnisse und Eindrücke sammeln. Immer wieder wurde ich freundlich empfangen, lernte viele Leute kennen und erlebte ganz neue Landschaften. Durch die zugsreisen wurde ich langsam in mein Abenteuer eingeführt und auch wieder in den Alltag zurückgebracht. Herzlichen Dank an alle, die mir dieses Unternehmen ermöglichten.

    Hoffentlich gibt es noch viele Gelegenheiten für solche Unternehmungen.

     

     

     

     

     

     


    13.01.2016 11:02 Alter: 2 Jahre
    Unterwegs
    Von: Guido Rutz