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    Pasta statt Tourismus

    Dort, wo viele ihr Geld mit dem Tourismus verdienen, respektive dort, wo Üsserschwiizer gerne ihre Ferien verbringen, stellt Roman Bernegger Teigwaren her. Pasta aus dem Berggebiet, genauer: Pasta aus Ulrichen im Goms – das ist eine sinnvolle Antwort auf eine zentralisierte, industrialisierte Lebensmittelproduktion.


    Teigwaren, Pasta: ob Ravioli, Cannelloni oder Tortelloni – der Pro-Kopf-Konsum an Teigwaren liegt in der Schweiz bei über zehn Kilogramm pro Jahr. Und damit nur unwesentlich tiefer als jener in Italien, dem vermeintlichen Herkunftsland der Pasta. 

    Aber Pasta ist nicht gleich Pasta. Dazu spielen die Ingredienzen und die Art und Weise der Produktion eine zu grosse Rolle. Just darum richtet Roman Bernegger ein besonderes Augenmerk auf die Zutaten und die Machart seiner Pasta, vom Mehl und den Eiern bis hin zum Wasser. Aus dem Berggebiet stammen sie samt und sonders, und das gilt auch für die Zutaten, die er für die diversen Füllungen verwendet. Und da Erdbeeren aus Südamerika im Schweizer Winter ein Unding sind, respektive, da eine Ausrichtung der eigenen Ernährung auf saisonale Begebenheiten ein Gesetz der Stunde sein sollte, gibt’s beispielsweise die Kürbis-Ravioli von Bernegger nicht ganzjährig sondern eben nur im Herbst. Genauso wie die Eierschwämmli-Ravioli oder die Wildfleisch-Ravioli. 

    Novena nennt Roman Bernegger seine Pasta-Firma. Novena ist die italienische Bezeichnung für Nufenen, und das ist jener Pass, der aus dem deutschsprachigen Goms (Wallis) ins italienischsprachige Bedrettotal (Tessin) führt. Vor gut 20 Jahren hat der aus der Ostschweiz stammende Bernegger am Fusse des Nufenenpass, in Ulrichen, seine Pasta-Fabrikation gestartet, damals noch in der alten Dorfkäserei. Mittlerweile hat er den Betrieb gezügelt, er liegt jetzt beim (winzigen) Bahnhof von Ulrichen; eine ehemalige Militärbaracke und ein ausrangierter Flugzeughangar dienen Novena als Firmengebäude. Wer als Fremder hier ein erstes Mal auftaucht, wird beim Nähertreten kaum auf die Idee kommen, dass hinter den Wänden dieser Gebäude feinste Pasta hergestellt wird. Weder am Hangar noch an den Lieferautos findet sich eine Firmenaufschrift. Novena, so hält Bernegger dazu fest, wolle Qualitäts-Produkte liefern und nicht per se Werbung betreiben.

    Arbeitsplätze im Berggebiet

    Produkte liefern ist das eine. Für einen Mann wie Roman Bernegger scheint aber noch etwas zweites ganz wichtig zu sein. Als wacher Zeitgenosse erkennt er die Absurditäten, die unser Leben prägen und die auch in der Lebensmittelproduktion gang und gäbe sind. Doch statt darüber endlos zu lamentieren, schreitet er zur Tat. Er produziert gesundes Essen nicht bloss aus dem Gedanken heraus, dass dies ein Genuss sein solle. Sondern auch ausgehend von der Erkenntnis, dass gesundes Essen stets auch präventive Medizin ist. Wer Wert auf gesundes Essen legt, ist mehr als ein Feinschmecker: er oder sie bekundet damit Wertschätzung für die Natur. Weil gesundes Essen eine gesunde Natur voraussetzt – im Sinne von: gesunde Hühner legen gesunde Eier für die Herstellung gesunder Ravioli.

    Und zudem ist da die Sache mit den Arbeitsplätzen: das Goms und mit ihm das Berggebiet insgesamt gilt diesbezüglich nicht als Vorreiter. Tourismus und die damit verbundene Bauwirtschaft belegen hier die Spitzenplätze, danach wird es rasch dünner. Da also passt Berneggers Credo; er sagt: „Warum Bergbewohner auf lange Arbeitswege schicken? Es macht mehr Sinn, sie hier im Tal zu beschäftigen“. Und als Mann der Tat liefert er auch hierzu den Tatbeweis: in seiner Pasta-Firma in Ulrichen arbeiten derzeit 13 Personen, die meisten davon Vollzeit. Das Berufsbild dieser Personen reicht vom Koch bis zum Bäcker, vom Mechaniker und der Lehrerin bis zur Bäuerin und der kaufmännischen Angestellten. 

    Winter im Goms

     

    Im Abstand von wenigen Kilometern reihen sich im Goms die Dörfer aneinander, die Zersiedelung dazwischen hält sich in Grenzen. Um eine weisse Kirche scharen sich in den Dörfern die schwarzbraun gebrannten Holzhäuser, in jedem Dorf halten die Züge der Matterhorn-Gotthard-Bahn, draussen in der Ebene fliesst die junge Rhone (hier Rotten genannt), im Osten grenzt der mächtige Aufbau des Galenstock das Panorma ab, und jeweils Ende Februar messen sich hier hunderte von Langläufern beim Gommer Lauf. Vielen Naturfreunden gilt denn auch das Goms als schönste Langlauf-Region der Schweiz; zur Verfügung stehen rund 100 km an gespurten Loipen; eine Hauptroute zieht sich von Dorf zu Dorf durchs ganze Tal, von Oberwald (beim Portal des Furkatunnels) via Ulrichen (wo die Novena-Crew die Pasta produziert) bis hinunter nach Niederwald.

    Nähere Infos: Opens external link in new windowObergoms Tourismus, 3985 Münster, Tel. 027 974 68 68.

    Von Zermatt bis Zürich

    Übrigens, bevor der ETH-Lebensmittelingenieur Bernegger vor 20 Jahren mit der Pasta-Produktion im Goms begann, hatte er bereits an der kanadischen Westküste, in Vancouver, Pasta hergestellt; zuerst als 1-Mann-Betrieb, dann als Kleinunternehmen. Der in Amerika übliche Umgang zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern hatte ihn jedoch bewogen, wieder in die Schweiz zu kommen. Und so gründete er, der seinerzeit mit einer Anstellung beim Naturheilkundler Dr. Vogel in Roggwil TG ins Erwerbsleben eingestiegen war, die Firma Novena in Ulrichen. Heute geniesst dieses KMU mit einer Palette von über 50 Pasta-Sorten den Ruf als innovatives, seriöses, bestens im Berggebiet verankertes Unternehmen. Zu den Abnehmern von Novena-Pasta zählen sowohl der Detailhandel wie auch die Gastronomie, und zwar von Zürich bis Zermatt (für Zermatter Gastrobetriebe produziert Novena beispielsweise eine Pasta in einer Matterhorn-Form). Vor acht Jahren hat zudem auch Coop bei der Novena in Ulrichen angeklopft: ergo finden sich im Pro-Montagna-Sortiment von Coop neuerdings auch Berg-Magronen aus dem Goms. 


    11.02.2016 10:39 Alter: 2 Jahre
    Gesund Leben
    Von: Herbert Gruber