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    „Die Grösse der Schöpfung geniessen“

    Richard Wehrli, Jahrgang 1957, Mitglied der Naturfreunde Dübendorf, leitet seit 1977 Kletter- und Hochtouren für Naturfreunde; seit 1979 zusätzlich auch Skitouren.


    Richi, du gehst seit Kindsbeinen auf Skitouren; gibt es, nach all den Jahren, für dich noch so etwas wie ein Skitouren-Traumziel? 

    Für mich gibt es nicht DAS Traumziel; hingegen noch einige Traum-Touren. Diese liegen dort, wo der grosse Haufen nicht unterwegs ist. Ich bevorzuge Orte, wo die Stille und Schönheit der Berge zu erleben ist. Wo wir, trotz menschlicher Eingriffe, die Grösse der Schöpfung geniessen können.

    Was muss stimmen, dass du am Ende von einer gelungenen Skitour sprichst? 

    Einerseits ein gutes Einvernehmen in der Gruppe. Andererseits die Qualität der zu treffenden Entscheidungen, z.B. das Anlegen einer Aufstiegsspur, die zur Gruppe passt. Dann das Entscheiden bezüglich Abfahrtsroute: dass wir auf die momentane Wettersituation bezogen den richtigen Hang mit der richtigen Exposition, zur richtigen Tageszeit abfahren. Auf dass wir Pulverrausch- und Sulzschnee-Besoffenheit erleben!

    Gibt es für dich so etwas wie einen Lieblings-Skitourenberg?

    Nein. Ich wähle mir die Ziele je nach Verhältnissen aus. Wenn’s bis in tiefe Lagen Schnee hat, kann ich von Herisau aus mit kurzen Reisewegen Skitouren unternehmen. Hat’s im Rheintal Schnee bis in den Talboden, muss man’s packen. Flexibilität statt im Voraus festgelegte Tourenziele.

    Diesen Winter leitest du ein Naturfreunde-Skitourenlager in Bivio. Welche Gipfelziele hast du für diese Woche ausgewählt?  

    Vorab eine Richtigstellung: mir obliegt die technische Leitung; die Lagerleitung jedoch übernimmt mein Kollege Bruno Holzer. Beim Leiten ist es mir ein Anliegen, andere fördern zu können, sie weiterzubringen. Apropos Gipfelziele: diese wähle ich auch in Bivio kurzfristig aus; Wetter, Schnee- und Lawinenverhältnisse bestimmen meine Tourenwahl.

    Eine Vielzahl deiner Skitouren führst du für die Naturfreunde durch. Hast du eine Art Stammkundschaft? 

    Ja, das ist so; wir haben bei den Dübi`s (=Naturfreunde Dübendorf) eine Gruppe von etwa 10, 15 aktiven Skitürlern und sind oft gemeinsam unterwegs. Hinzu kommen ab und zu auch Personen aus anderen Sektionen.

    Welche Anforderungen stellst du an Teilnehmerinnen und Teilnehmer deiner Skitouren? 

    Neu Interessierten sage ich: Wenn du eine drei bis vierstündige Sommerwanderung schaffst, dann kannst du beruhigt deinen Skitouren-Einstieg wagen. Wichtiger als ein eleganter Fahrstil ist mir, dass die Leute kontrolliert und beherrscht fahren können. Wenn ich weiss, der kommt auch in dieser steilen Rinne sturzfrei runter, ist mir das wichtiger, als wenn er eine elegante Spur fährt und nach dem dritten Schwung kopfvoran den Hang runterstürzt. Und apropos Verhalten: Kameradschaft und Teamfähigkeit lassen jede Tour zu einem besseren Erlebnis werden, als wenn ein Exzentriker in der Gruppe seine hohe Stunde erleben will. Bei heiklen Situationen muss ich mich drauf verlassen können, dass sich die Teilnehmer an meine Anweisungen halten.

    Erinnerst du dich an deine allererste Skitour? 

    Meine Skitourentätigkeit begann mit meinen Eltern als ich acht Jahre alt war. Mein Vater war Tourenleiter bei den Naturfreunden; und ich erinnere mich, wie ich mit Vater auf dem Huserstock gestanden bin. Wir waren damals im Naturfreundehaus Stoss in den Winterferien.

    Wo und wie hast du eigentlich das Skifahren gelernt? 

    Übung macht den Meister und ausgelernt hat man nie! Das Skifahren erlernt habe ich zuerst mit den Eltern, später mit zirka 17 in den J+S-Kursen, als ich mit der Naturfreundejugend Zürich auf Touren gegangen bin.


    11.03.2016 12:13 Alter: 2 Jahre
    Natur erleben
    Von: Herbert Gruber | Fotos: Bruno Holzer