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    < „Die Grösse der Schöpfung geniessen“

    Frühling – wie machen es die ersten?

    Ob es nun der 20igste, der 50igste oder der 80igste Frühling ist: kalt lässt einem das Frühlingserwachen nicht. Diese Kraft, dieser Aufbruch und Neuanfang, dieses Spriessen und Blühen – wir haben es herbeigesehnt, jetzt ist’s da, jetzt beginnt‘s. Hier nun ist von jenen die Rede, die als erste kommen: die Frühblüher!


    Wer ist nicht schon mal im Frühling durch den Laubwald spaziert und hat sich an den Teppichen aus Busch-Windröschen mit ihren weissen Blütensternen gefreut! Wer hat nicht schon darüber gestaunt, wie rasch Krokusse Berghänge mit ihren Blüten überziehen! Kaum ist der Schnee weg – das umliegende Gras noch braun, stumpf und flach gedrückt – bieten sie den ersten Insekten ihre grossen attraktiven Blüten dar! Nun, Krokusse, Winterlinge, Busch-Windröschen (im Volksmund nennen wir sie Geisseblüemli), Schneeglöckchen, Schlüsselblume, Bärlauch etc.  – all diese Pflanzen gehören zur Gruppe der Frühblüher.  

    Was genau sind Frühblüher?

    Frühblüher sind Pflanzen (oft krautig, aber auch Bäume, Sträucher), die mit Vorliebe in Laubwäldern oder Gebüschen wachsen und die früh im Jahr blühen, und zwar meist bevor die Bäume ihr Laub austreiben. Hat sich im Wald das Blätterdach der Bäume gebildet, hören viele dieser Pflanzen zu blühen auf, vergilben und ziehen ein.

    Und warum blühen Frühblüher so zeitig? 

    Licht ist lebenswichtig für sämtliche grünen Pflanzen. Mittels Sonnenenergie können Pflanzen aus Co2 und Wasser Zucker erzeugen (Fotosynthese). Dieser dient ihnen z.B. als Energielieferant. Im Wald fangen jedoch Bäume viel Licht ab, so dass es unten am Boden für manche Pflanzenarten zu schattig ist. Sind im Frühling die Bäume indes noch kahl, ist der Lichteinfall hoch. Just darum beginnen die Frühblüher so früh zu spriessen, zu blühen und zu fruchten! Das ist ihre Chance, das Sonnenlicht optimal zu nutzen.

    Frühblüher gibt es jedoch nicht nur unter den krautigen Pflanzen. Auch einige Bäume wie etwa der Hasel oder die Weide blühen jeweils bereits früh im Jahr. Es sind dies die sogenannten Windbestäuber; das heisst, sie lassen ihren Pollen vom Wind verbreiten. Und Blütenstaub kann einfacher zu anderen Bäumen geweht werden, solange noch keine Laubblätter die Verbreitung behindern. Also kommt auch hier die Strategie zum Einsatz: früh dran sein – und damit die (einzige) Chance nutzen.

    Wie können Frühblüher derart rasch austreiben? 

    Die Antwort ist simpel: Scheint im Frühling die Sonne, werden logischerweise die obersten Bodenschichten zuerst erwärmt. So können die Frühblüher austreiben, bevor die Wärme die tieferen Bodenschichten erreicht und folglich auch die Bäume beginnen, ihre Blätter zu entfalten. Zudem beziehen die Frühblüher die Energie zum schnellen Austreiben aus unterirdischen Speicherorganen, beispielsweise aus ihren Zwiebeln und Wurzelknollen.

    Zahlreiche Frühblüher blühen sehr schnell; etliche sogar noch, bevor sie Blätter bilden! Die Knospen dazu haben sie bereits im Vorjahr angelegt. Die Zellen müssen nun nur noch gestreckt werden. Die Blüten der Frühblüher sind oft auffallend und verhältnismässig gross (beispielsweise bei den Krokussen), so dass die wenigen Insekten, die es zu dieser Jahreszeit gibt, sie rasch finden können. Diese Pflanzen „verlassen“ sich aber nicht bloss darauf, bestäubt zu werden, sondern können sich oft auch selbst bestäuben oder vegetativ vermehren, oder gar beides.

    Einige Frühblüher sind mit immergrünen Blättern ausgestattet; das heisst, sie müssen im Frühling nicht zuerst Blätter entfalten, sondern können bei günstigen Bedingungen sofort beginnen, Fotosynthese zu betreiben. Sie lagern Vorräte in Form von Stärke in ihren Speicherorganen an und bilden bereits im Sommer Blüten- und Blattanlagen fürs kommende Jahr aus. Nach dem Fruchten ziehen (die meisten) Frühblüher ein, verschwinden buchstäblich von der Oberflächen und überdauern die für sie ungünstige Zeit im Erdboden – bis sie im nächsten Frühling die Welt erneut in Schwung bringen und uns ins Staunen versetzen!


    20.03.2016 09:30 Alter: 2 Jahre
    Natur erleben
    Von: Brigitte Käser | Foto: Michael koller