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    < Ein Spaziergang durch Raum und Zeit

    Dem Frühling entgegen

    Vom frühen Frühling im St. Galler Rheintal profitieren nicht nur die Spargel-Bauern. Auch wandernde Naturfreunde kommen hier auf ihre Rechnung; besonders reizvoll ist der Alte Rhein bei Diepvoldsau.


    Diepoldsau, das Dorf „im“ Rhein! Diese gern zitierte Bezeichnung kommt nicht von ungefähr. Infolge der Rheinregulierung, zu der auch der 1923 erfolgte Rheindurchstich von Diepoldsau zählt, liegt dieses Dorf tatsächlich „im“ Rhein: im Westen zieht sich schnurgerade der aktuelle Rheinlauf dahin, im Osten wird Diepoldsau von den ruhigen Wassern des Alten Rheins umschlungen. Ergo ist das Dorf (das sich seit 2010 „Energiestadt“ nennen darf) allein über (Rhein-)Brücken zu erreichen. Der Alte Rhein markiert zudem die Landesgrenze: drüben ist Hohenems, Vorarlberg, Österreich. Und damit zur Wanderung!

    Ab Bushaltestelle Diepoldsau Dorf führt uns der Weg über die Vordere Kirchstrasse zum Rheindamm. Südwärts folgen wir dem Entwässungskanal, Blick frei auf den aus der Ebene herausragenden Kummaberg, der uns in der Frühlingswärme seine kalte Schulter zeigt. Rechts und links säumen die Höhen des Appenzellerlandes, des Alpsteins und Vorarlberges das Tal. Angelangt beim Ober Spitz, wechselt der Weg abrupt die Richtung; wir stehen am Eingang zum Naturschutzgebiet des Alten Rheins.

    Frische Frassspuren sowie gefällte Bäume verweisen auf den Lebensraum des Bibers. Wer diesen Nager bei Tageslicht erblickt, ist indes ein Glückspilz: dieses Tier mit seinen scharfen Zähnen „arbeitet“ nämlich vor allem in der Dämmerung und bei Nacht. Ein paar Schritte später staunen wir über eine Esche, respektive über deren frei gespülte Wurzeln. Wie manchem Sturm und Hochwasser dieser Baum wohl schon getrotzt haben mag? Neugieriger und daher leicht zu beobachten sind in diesen Gewässern die Enten und Schwäne. Fischer verweisen hier zudem auf die Karpfenbestände; und Ornithologen schwärmen von Nachtigall, Pirol und Flussseeschwalbe – auch dies ein guter Grund, wieder mal einen Feldstecher mitzunehmen. 

    Ideal für Kinder

    Vergnügen bietet auch die Rast bei der Grillstelle; unweit davon führt übrigens ein Brücklein auf die andere Seite (nach Österreich) und dort sind an einigen Bäumen Kletterhilfen angebracht und von den Ästen hängen über dem Wasser ein paar Seile – Kinder werden daran ihre Freude haben! Zudem ein Tipp für heisse Tage: nach der Unterquerung des Zollübergangs (Richtung Hohenems) findet sich das Naturstrandbad

    Vorerst aber, jetzt im Frühling, lassen wir unseren Blick über die Ebene schweifen, und wir sehen, dass diese von niedrigen Erdwällen durchzogen ist. Dabei handelt es sich um Spargel-Kulturen. Auf den hiesigen sandigen Böden gedeihen die frühsten Spargeln der Schweiz. Die lokale Industrie fördert den Wuchs dieser köstlichen Pflanzen auf ihre Weise: sie leitet ihre Prozesswärme hinaus in die von der Landwirtschaft genutzten Felder. 


    28.03.2016 15:26 Alter: 1 Jahre
    Unterwegs
    Von: Guido Rutz