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    < Ursula Hahn

    Gridone – hoch über dem tiefsten Punkt der Schweiz

    Tief unten dieser fjordähnliche See, darin eingesprenkelt die Brissago-Inseln, das Maggia-Delta, die Magadino-Ebene und über allem ein Kranz weisser Berge – die Tour auf den Gridone (2188 m) hält Ausblicke bereit, die sich tief in unsere Sinne einprägen. Nachfolgend einige entsprechende «Einblicke».


    SCHNEESCHUHTOUR ÜBER DEM LAGO MAGGIORE

    Tief unten dieser fjordähnliche See, darin eingesprenkelt die Brissago-Inseln, das Maggia-Delta, die Magadino-Ebene und über allem ein Kranz weisser Berge – die Tour auf den Gridone (2188 m) hält Ausblicke bereit, die sich tief in unsere Sinne einprägen. Nachfolgend einige entsprechende «Einblicke».

     Unter uns wölbt sich der weisse Rücken, der uns eben als Aufstieg gedient hat. Im bereits nachtblauen Lago Maggiore spiegelt sich noch etwas Himmelslicht. Deutlich treten die kleinen Isole di Brissago hervor, das markante Maggia-Delta mit dem Siedlungsgebiet von Locarno und, schnurgerade vor uns, das schmale Band des Ticino. Rundherum überzieht die untergehende Sonne die Gipfel des Mitteltessins mit einem ausgeprägt winterlichen Abendrosa.

     Vier Stunden später. In der Hütte knistert ein wohliges Feuer, der Risotto ist verspiesen, die Neugier lässt uns einen Blick nach draussen werfen. Wir schauen Richtung Italien. Über dem Verbano – so der zweite Name des Lago Maggiore – hat sich eine Schicht Bodennebel gebildet und liegt wie Watte über dem Wasser. Bald wird sie auch die Ortschaften am Ufer verschlucken und während der Nacht vor allzu starker Abkühlung schützen. Am hellsten leuchten die Städtchen Cannobio, im Vordergrund, und, dahinter, Luino.

    Eine Stunde später stehen wir auf dem langen Gipfelgrat mit seinen Aufs und Abs. Ab und zu müssen wir in die Flanke ausweichen, um tückische Wächten zu umgehen. Doch wo immer möglich folgen wir der Schneide, wo es am bequemsten ist, den linken Fuss im Piemont, den rechten im Tessin. In unserem Rücken schaut der Monte Faierone hervor, der sich bereits gänzlich auf italienischem Boden befindet.

    Die letzte Gratwelle vor dem Schneeschuh-Depot: nur noch eine Viertelstunde zum Gipfel. Das Gelände fällt beidseits steil ab – nach Osten zum Teil felsig, nach Westen mit einer 800 Meter hohen Schneeflanke. Konzentration ist hier gefordert, ebenso Trittsicherheit und etwas Schwindelfreiheit. Am besten man hat, nebst dem Pickel in der Hand, noch Steigeisen im Rucksack – auch wenn man sie dann vielleicht gar nicht benötigt.

     

    Bleibt noch der Abstieg. Eineinhalb Stunden nach Verlassen des Gipfels erreichen wir die sonnigen Hänge oberhalb Pensevrone. Die Schneedecke ist nun wesentlich dünner und lässt das Trassee des Sommerwegs hervortreten, was das Gehen deutlich erleichtert. Bald werden wir die Schneeschuhe aufschnallen und zu Fuss weiterwandern, eine Stunde durch warme Wiesenhänge und kahle Wälder bis zum Ausgangspunkt Cortaccio. Ein Blick noch zu den Tälern zwischen Lago Maggiore und Varese: Der Nebel ist tatsächlich weg, geblieben ist da und dort der typisch bläuliche Dunst der winterlichen Alpensüdseite.


    12.01.2017 15:17 Alter: 101 Tage
    Ausgabe 4 | 2016, Unterwegs, Aktuelles
    Von: Michael Koller