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    Ab Skipiste direkt ins Naturfreundehaus

    CRISTOLAIS: Das Naturfreundehaus im Hochpreis-Land


    Skifahren im Engadin, auf den Pisten von St. Moritz, am Piz Nair, auf der Corviglia – und am Abend auf den Latten direkt ins Naturfreundehaus gleiten und dort zu einem unschlagbar günstigen Preis übernachten: das gibt’s nur dank den Naturfreunden; im NF-Haus Cristolais.

    Text: HERBERT GRUBER
    Fotos: ROLF STUDER

     

    Wir sagen es oft und gern: dass das Geld nicht das A und O sei. Und doch dreht sich (fast) alles um den Rubel, und für ein paar Rappen Unterschied gehen wir mitunter meilenweit. Darum vorab ein Wort zu den Übernachtungspreisen im Naturfreundehaus Cristolais; diese dürften für das Ober-Engadin, wo so finanzstarke Familien wie Onassis und Niarchos mitreden, einmalig sein: ein erwachsenes Naturfreunde-Mitglied zahlt im NF-Haus Cristolais pro Nacht lediglich 16 Franken! 

    Neid auf die Naturfreunde

    Dabei muss man sich bewusst sein: die Lage dieses Naturfreundehauses ist absolut genial. Allein auf weiter Flur steht es, im Rücken schirmt das Gelände ab gegen die Lichter und das Treiben von Samedan, rechterhand grüssen ein paar Lärchen und ab dem Stubenfenster und vor den sonnenbeschienenen Ruhebänken vor dem Haus reicht der Blick südwärts über eine Wiese hinüber zu den Rosatsch-Gipfeln. Kein Wunder also, dass immer mal wieder ein gewichtiger Interessent auf den Plan tritt. Peter Florin, der frühere RhB-Mitarbeiter und seit 2006 Hüttenwart im Cristolais, erwähnt jenen Italiener, der ihm neulich seine Kaufabsichten kundgetan hatte: «Ich kann zahlen! Sagen Sie mir Ihren Preis, und ich lege noch 10% dazu und diese 10% sind exklusiv für Sie». 

    Indes, Kenner (und Neider) haben die Einzigartigkeit dieses Standorts seit je her erkannt: als die Naturfreunde in den 1930er Jahren das Gelände oberhalb von Samedan erwerben konnten, hielt die damalige Neue Bündner Zeitung dazu fest, es sei nicht angebracht, «dass ausgerechnet das fast unbezahlbare Herzstück des Engadins den Naturfreunden reserviert werden soll».

    Dienst an der Allgemeinheit

    Dass die Naturfreunde ein solch’ freundliches Haus in solch’ zauberhafter Umgebung zu solch’ vorteilhaften Konditionen anbieten, hat gewiss auch damit zu tun, dass sie seinerzeit das Grundstück derart günstig haben erwerben können. Der aus Samedan stammende Hüttenwart Peter Florin sagt, das seien damals «ein paar Rappen pro Quadratmeter» gewesen (heute koste hier der Quadratmeter über 1000 Franken). Ein zentraler Faktor aber liegt darin, dass über die Jahre und Jahrzehnte unzählige Naturfreunde ehrenamtlich für dieses Haus gearbeitet haben – und es noch immer tun. Putzen und Holzen, Ausbauen und Umbauen, Renovieren und Verschönern: bei all diesen Arbeiten packen Sektionsmitglieder mit an. Wer all diese unentgeltlich fürs Haus geleisteten Arbeitsstunden hätte bezahlen müssen, könnte nie und nimmer mit solch’ tiefen Übernachtungspreisen auftreten. Von diesem Engagement der Naturfreunde haben, im Verlauf der Jahre, Hunderte, ja Tausende profitiert, insbesondere Familien und Gruppen.

    Vor 110 Jahren…

    Corviglia, Corvatsch, Diavolezza, Lagalb: an dieser Stelle Worte über die Qualität und die Dimensionen der Ober-Engadiner Skigebiete zu verlieren (88 Pisten, 230 km Loipen), wäre Wasser in den Inn getragen. Daher vielmehr ein Blick in den Rückspiegel der Engadiner Naturfreunde und ihres Hauses auf dem Cristolais: den Anfang nimmt die Geschichte mit der am 6. Juni 1907 im Restaurant Bahnhof von Samedan erfolgten Gründungsversammlung der «Ortsgruppe des Touristenvereins; die Naturfreunde». Zwölf Personen waren damals dabei und wie zuversichtlich diese zwölf waren, zeigt die daraufhin erfolgte Nachricht nach Wien: die Engadiner Naturfreunde bestellten in Wien, dem damaligen Zentralsekretariat der internationalen Naturfreunde-Bewegung, 100 Vereinsmarken, zudem 20 grosse und 5 kleine Vereinsabzeichen.

    Und apropos 1907: im Gründungsjahr der NF-Sektion Engadin wurde (am 8. August) die Standseilbahn auf den Aussichtsberg Muottas Muragl (2454 m) eröffnet; als die Naturfreunde am Sonntag nach der Gründungsversammlung von der Alp Landguard und dem Schafberg auf ihrer ersten Sektionstour dorthin gelangten, war diese indes noch nicht in Betrieb – ergo erfolgte auch der restliche Abstieg nach Samedan (700 Höhenmeter) zu Fuss. Wobei: dass die Naturfreunde in Sachen Fitness kaum Schwierigkeiten gehabt hatten, belegt allein schon der Blick in ihr Tourenbuch; zu den erreichten Zielen der ersten Jahre gehören so markante Gipfel wie Piz Bernina (4049 m), Piz Corvatsch, Piz Ot, Piz Rosatsch, Piz Julier.

    Auftakt mit Abbruch-Objekt

    Wie viele andere NF-Sektionen, so hegten auch die Engadiner Naturfreunde (viele davon waren Eisenbahner; 1908 erweiterte die Rhätische Bahn Rhb ihr Streckennetz bis Pontresina und 1910 fuhr die Berninabahn erstmals über den Pass bis Tirano) den Wunsch nach einem eigenen Haus, einer eigenen Berghütte. Realisiert werden konnte dieses Begehren 30 Jahre nach der Sektionsgründung: 1936 erstand die Sektion für 500 Franken bei St. Moritz eine für den Abbruch vorgesehene, ehemalige Skihütte und transportierte diese auf Maultierrücken nach Cristolais. Gut 40 Jahre lang bewirtschafteten die Naturfreunde in der Folge diese Hütte 

    (wobei sie ab 1940 für 35 Jahre in den Besitz des NFS-Landesverbandes übergegangen war); am 7. Dezember 1978 aber kam es zu einem abrupten Ende: infolge eines überhitzten Ofens brannte die Hütte an jenem Wintertag bis auf die Grundmauern ab.

    Gute Aussichten

    Der Totalbrand aber war nicht das Ende. Sozusagen wie der Phönix aus der Asche erstand innert einem Jahr an exakt gleicher Stelle das neue, das heutige Naturfreundehaus Cristolais. Bei rund 2000 geleisteten Frondienststunden schlug dieser Neubau inklusive Infrastruktur mit 347’000 Franken zu Buche. Dabei entstanden ist ein ebenso robustes wie schmuckes Haus aus Holz und Stein. Ebenerdig geht’s darin in die Küche (mit dem Holzofen), in die geräumige Gaststube und zu den Duschen und WC, und oben auf der Etage gibt’s neben einer gemütlichen Stube die vier Schlafräume (eines davon ein Viererzimmer) mit den insgesamt 30 Schlafplätzen (mit Kajütenbetten). Zwar ist das eine und andere in diesem Haus in den letzten Jahren erneuert worden (z.B. die Solarpanels auf dem Dach), vieles indes ist geblieben wie damals; und dazu gehört, unbedingt, nebst der gemütlichen Hüttenatmosphäre die Aussicht aus dem Stubenfenster! Andernorts in Ober-Engadiner Gasthäusern müsste man allein dafür einen Hunderter hinlegen.

    DAS CRISTOLAIS IM OBER-ENGADIN

    Das Naturfreundehaus Cristolais (1886 m ü.M) auf der linken Engadin-Talseite bei Samedan (Koordinaten 785’486 / 155’357) ist ein typisches Selbskocherhaus mit gemütlich eingerichteter Gaststube. Gekocht wird auf dem Feuerherd; Teller, Pfannen und alles Drum und Dran steht in der Küche ausreichend zur Verfügung; in vier Schlafräumen gibt’s auf der oberen Etage insgesamt 30 Schlafplätze (eigenen Schlafsack mitnehmen!) und vor kurzem erneuert worden sind die WC und Duschen. Das Haus gehört der Naturfreunde-Sektion Engadin (Präsident: Raphael Putscher).

    Anreise: per Zug via Landquart oder Chur nach Samedan und ab Bahnhof Samedan in 30-40 Minuten zu Fuss zum Haus. Im Winter Zufahrt auf Ski direkt ab Skigebiet Marguns.

    Besonderes: das NF-Haus Cristolais ist auch im Sommer autofrei.

    Wintersport: das Haus eignet sich bestens für Gruppen und Familien. Attraktive Skigebiete (Corviglia mit Piz Nair) vor dem Haus; in nächster Nähe zudem die Skigebiete Corvatsch und Diavolezza. Nahegelegene Langlauf-Loipe (Engadiner Skimarathon jeweils Mitte März), Schneeschuhwandern, Winterwandern, Skitouren (z.B. auf den Piz Ot, 3246 m).

    Preise: für erwachsene NF-Mitglieder CHF 16.- pro Übernachtung; Nichtmitglieder CHF 20.-; Ermässigung für Kinder und Jugendliche.

    Info und Reservation: unbedingt erforderlich bei Peter Florin, Via Veglia 5, 7503 Samedan, Tel. 081 852 54 28, Natel: 078 860 43 79.

    Extra: die Stammbeiz der Naturfreunde Engadin ist das Restaurant Terminus, gleich beim Bahnhof von Samedan.


    19.12.2017 09:44 Alter: 29 Tage
    Ausgabe 4 | 2017, Unterwegs, Naturfreundehäuser, Aktuelles
    Von: Herbert Gruber