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Mehr als man denkt…

FREIWILLIGENARBEIT BEI DEN NATURFREUNDEN


Dass sehr vieles bei den Naturfreunden auf ehrenamtlich geleisteter Freiwilligenarbeit beruht,  ist bekannt. Genaue Zahlen darüber gab es bislang aber nicht. Nun erlaubt das Ergebnis  einer Umfrage unter den Sektionen eine Schätzung: im 2018 wurden von den Naturfreunden  in der Schweiz 202`876 Stunden an Freiwilligenarbeit geleistet.

Gewiss, Zahlen über geleistete Arbeitsstunden sind nicht alles. Aber da wir – ob wir’s gut oder schlecht finden – in einer vom monetären Denken geprägten Welt leben, lässt sich mit einem Zusammentragen von Zahlen etwas zum Ausdruck bringen, das «mehr ist, als man denkt», und das Anerkennung und Unterstützung verdient (siehe auch Seite 37). In diesem Sinne ist die Umfrage zu verstehen, die die Geschäftsstelle der Naturfreunde Schweiz diesen Herbst durchgeführt hat.

Das Echo der 16

Wie viele Stunden pro Woche wendet eine Sektionspräsidentin für ihr Amt auf? Wie viele Stunden sind’s beim Vize-Präsidenten, bei der Aktuarin, beim Kassier? Und wie viele Stunden wenden die Reiseleiter, die Tourenleiterinnen und -leiter zum Erbringen ihrer Angebote auf? Wie sieht’s aus bei den Arbeiten für die Werbung, für die Öffentlichkeitsarbeit, das Sektions-Bulletin, die Homepage? Und wie viele Stunden fallen an für die Arbeit im und am Naturfreundehaus? Und wie war’s im 2018 mit Aktivitäten im Bereich Umwelt/Natur? Im Bereich Aus- und Weiterbildung? 

Mit anderen Worten: der Fragekatalog fokussierte zwar auf die Tätigkeit der «Funktionäre» in den Sektionen (Präsident, Kassier, Tourenleiter etc.), andererseits belegt die Umfrage, dass in den Sektionen auch Mitglieder des Öftern und wiederholt Freiwilligenarbeit leisten (zum Beispiel für die Unterschriften-Sammlung zur Insekten-Petition), die nicht in ein Gremium gewählt sind. Dass den Verantwortlichen das Ausfüllen des Erfassungsformulars nach quantitativ geleisteter Freiwilligenarbeit nicht einfach fallen würde, war den Projektverantwortlichen von vornherein klar – man arbeitet in den Naturfreunde-Sektionen ja bekanntlich nicht mit Stoppuhren! Ergo handelt es sich bei den rückgemeldeten Angaben zumindest zum Teil auch um Schätzungen. Im Einzelnen stammen diese von den Sektionen Bern, Chur, Frauenfeld, Wallis, NATURicum, Senioren Zürich, Sion Valais romand, Rheintal, Konolfingen, Basel-Riehen, Wetzikon, Pfäffikon, Züri, Horgen VBZ sowie dem KV Graubünden, dem Häuserfonds und dem Fachverband Häuser.

Touren leiten fällt ins Gewicht

Auffallend in diesen Rückmeldungen und wohl wenig überraschend: der weitaus grösste Teil (31%) der freiwillig und unentgeltlich geleisteten Stunden geht auf das Konto «Aktivitäten»; damit gemeint sind Touren aller Art, von der Halbtages-Wanderung bis zu den Abenden in der Kletterhalle, den Velo-, Schneeschuh- und Skitouren sowie den mehrtägigen Kultur- und Wanderreisen ins Ausland. Die entsprechende Arbeit wird hier von den Reise-, den Tourenleiterinnen und -Leitern sowie den Tourenobmännern geleistet (d.h. von «Funktionären»). Die 16 vorliegenden Rückmeldungen weisen dafür einen Arbeitsaufwand fürs Jahr 2018 von 6086 Stunden auf.

Einen anderen grösseren «Brocken» (21%) macht der Einsatz rund um ein Naturfreundehaus aus, sei es für die Reservationsstelle, die Rechnungsführung, für den Hüttendienst am Wochenende, die allgemeinen Unterhaltsarbeiten, fürs Holzen oder den grossen Frühlingsputz. In der Sektion Basel-Riehen (die im 2018 ihr Haus verkauft hat) wurden dafür im abgelaufenen Jahr über 800 Stunden aufgewendet; die Sektion Frauenfeld beziffert diesen Aufwand mit 474 und die Sektion Wetzikon mit 760 Stunden. Stark ins Gewicht fällt zudem der zeitliche Aufwand fürs Präsidium und Vizepräsidium: in den 16 Sektionen und Verbänden wurden im 2018 dafür rund 2554 Stunden aufgewendet.

Und wenn wir’s hochrechnen…

12‘680 Stunden: so viel Zeit an Freiwilligenarbeit haben (in einen Vorstand oder ein sonstiges Gremium eingebundene) Naturfreunde-Mitglieder in der Schweiz im 2018 geleistet. Wohlverstanden: allein in den 16 Sektionen und Verbänden, die den Fragebogen beantwortet haben. 

Erlaubt man sich, davon ausgehend, eine Hochrechnung, und überträgt die Angaben dieser 16 auf die mehr als 120 NF-Sektionen der Schweiz, ergibt dies die eingangs erwähnten 202‘876 Stunden an unentgeltlich geleisteter Arbeit – und zwar allein im Jahr 2018. Würde man, um das Spiel weiterzutreiben, diese 202‘876 Stunden mit einem Stundenansatz von (bescheidenen) CHF 30.- abgelten wollen, ergäbe dies Lohnkosten von CHF 6‘086‘280.-, allein fürs Jahr 2018. Und dabei existieren viele der Schweizer Naturfreunde-Sektionen seit 70, 80, 90 oder gar seit über 100 Jahren!

Und viele kommen in den Genuss...

«Im Funktionieren der Schweiz übernehmen Vereine, gemeinnützige Organisationen und informelle Netzwerke wichtige gesellschaftliche Aufgaben und Verantwortungen», dies stellt die Direktion Kultur und Soziales des Migros-Genossenschafts-Bund in ihrer im 2018 veröffentlichten Studie zum Thema Freiwilligenarbeit fest. 

Nun, der Verband der Naturfreunde Schweiz mit den über 120 Sektionen darf zweifelsohne als eine dieser Organisationen gelten. Von den Angeboten der Naturfreunde an Bewegung und Bewegung, dem Einsatz für die Natur, für einen vernünftigen Tourismus etc. haben über die Jahre unzählige Frauen, Männer und Kinder profitiert – und zwar in vielfältiger Art und Weise, sei’s finanziell, gesundheitlich oder sozial. 

Auf diesen Aspekt der Freiwilligenarbeit verweist übrigens auch die erwähnte Studie. Dort heisst es: «Die freiwillige Vernetzung der Gesellschaft ist ein soziales Schmiermittel und die Grundlage für das Funktionieren von Staat und Markt. So ist in Gemeinden mit hoher Vereinsdichte das Vertrauen zwischen den Menschen grösser, die Wirtschaft wächst stärker und es gibt weniger Vandalismus als in den Gemeinschaften mit wenigen Vereinen.

 


21.12.2018 11:20 Alter: 154 Tage
Ausgabe 3 | 2018, Naturfreunde aktiv